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Westfälische Nachrichten, 27. November 2009

UBG / Grüne: „Wasserwerk gefährdet“
neuer Antrag/ Brief nach Düsseldorf

Nottuln - „Der Betriebsausschuss sieht den Betrieb des Wasserwerkes nach dem Bau der geplanten Umgehungsstraße als gefährdet an.“ Diesen Beschlussvorschlag formulieren die Fraktionen von UBG und Bündnis 90/Die Grünen in einem Antrag, den sie im nächsten Betriebsausschuss verabschiedet sehen möchten. Der Ausschuss wird voraussichtlich am 8. Dezember um 19 Uhr in der von-Aschebergschen Kurie tagen.

Zur Begründung führen die Fraktionen an, dass das Wasserwerk aufgrund einer Kontamination durch Bakterien (Escherichia coli) am 13. November abgestellt werden musste. Wie berichtet (s.u.), dauert dieser Zustand immer noch an. „Diese Bakterien“, so UBG und Grüne weiter, „stammen aus dem Darm von Warmblütern, also Menschen oder Tieren (zum Beispiel von Kühen). Die Bakterien können unter der Erde maximal 40 Tage überleben.“ Daraus ziehen die Antragsteller vier Schlussfolgerungen:

„1. Es gibt kurze, ohne Zweifel unmittelbare Eintragswege von der Oberfläche in das Grundwasser.

2. Diese Eintragswege liegen außerhalb der Wasserschutzzone II, denn in der Schutzzone II gibt es keine Viehhaltung, und es darf dort auch keine Gülle gefahren werden.

3. Da nicht bekannt ist, wie diese Eintragswege verlaufen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass das abgeschiedene und mit Schadstoffen belastete Wasser der Umgehungsstraße auch Wege in das Grundwasser findet und damit in den Bereich gelangt, aus dem das Wasserwerk das Trinkwasser gewinnt.

4. Die Umgehungsstraße gefährdet damit in hohem Maße die Existenz unseres Wasserwerkes.“

Das Auftauchen der Keime in den Trinkwasserbrunnen hat Bürgermeister Peter Amadeus Schneider veranlasst, die Planfeststellungsbehörde in Düsseldorf, die derzeit am sogenannten Planfeststellungsbeschluss für die Nottulner Ortsumgehung arbeitet, offiziell über den Vorfall zu informieren. „Es handelt sich meiner Meinung nach um einen für die Entscheidung relevanten Sachverhalt“, erklärte Schneider auf Nachfrage unserer Zeitung. Eine Reaktion aus Düsseldorf liegt ihm bislang nicht vor.

Er habe unter Wahrung seiner Verantwortung für die Gemeinde von sich aus die Behörde informiert, machte Schneider deutlich. Ebenfalls sei der Landesbetrieb Straßen.NRW in Coesfeld offiziell informiert worden.

Nach Ansicht des Bürgermeisters zeigt der Vorfall mit den Keimen ganz eindeutig, dass es eine Verbindung zwischen der Oberfläche und dem Grundwasserleiter gebe. „Zumindest ein Teil des Lange-Gutachtens ist damit widerlegt“, erklärte Schneider.

VON FRANK VOGEL UND LUDGER WARNKE


Westfälische Nachrichten, 20. November 2009

Keime im Wasser: Bekämpfung dauert an

Aus den Wasserkränen in Nottuln kommt derzeit Coesfelder Wasser, da das eigene Grundwasser mit Keimen belastet ist. Nottuln - Das Wasser aus den Förderbrunnen des Wasserwerkes ist nach wie vor mit Keimen belastet. „In drei der fünf Brunnen wurden bis Mitte der Woche weiterhin Keime entdeckt“, teilte Werkeleiter Peter Scheunemann auf WN-Anfrage mit.

Konsequenz: Die Bekämpfungsmaßnahmen dauern an, die Nottulner Haushalte werden bis auf weiteres mit Trinkwasser der Stadtwerke Coesfeld versorgt.

Wie berichtet, war am Freitag voriger Woche die Keimbelastung entdeckt worden. „Betroffen waren die vier nördlichen Brunnen“, erläuterte Scheunemann. Das Wasserwerk stellte sofort die Versorgung der Haushalte auf Coesfelder Wasser um. Außerdem wurden Gegenmaßnahmen (Chlorung des Leitungsnetzes und Brunnenspülung) eingeleitet. Bislang ohne Erfolg.

Bei den festgestellten Keimen handelt es sich um koliforme Bakterien, wie sie häufig in der Natur vorkommen, und E-Coli-Bakterien, die im Darm von Menschen und Tieren vorhanden sind.

Wie es zu der Keimbelastung gekommen ist, das ist nach Aussage von Peter Scheunemann noch nicht geklärt. „Wir hatten am Mittwoch einen Termin mit der Oberen Wasserbehörde (Bezirksregierung), der Unteren Wasserbehörde (Kreis Coesfeld), dem Gesundheitsamt und der Landwirtschaftskammer bei uns im Wasserwerk“, schildert der Werkeleiter. Mögliche Ursachen gebe es viele, doch es wäre reine Spekulation, ein oder zwei Möglichkeiten herauszugreifen. „Ob die Ursachen für die Verkeimung herauszufinden sind, ist ungewiss.“

Aktueller Sachstand ist: „Wir pumpen zurzeit aus allen Brunnen das Grundwasser ab in den Vorfluter, um die Keime möglichst schnell aus dem unterirdischen Gebirge herauszubekommen. Außerdem nehmen wir täglich Wasseranalysen“, fasste Scheunemann zusammen. Jeweils zwei Tage später liege das Ergebnis vor. So hätten die Proben von Dienstag noch eine Keimbelastung in drei Brunnen angezeigt. Scheunemann: „Mit dem Gesundheitsamt ist abgestimmt, dass wir wieder die Versorgung aufnehmen dürfen, wenn in fünf aufeinander folgenden Proben alle fünf Brunnen keimfrei sind. Das kann frühestens in der nächsten Woche sein.“

Die weitere Wasserversorgung aus Coesfeld ist gesichert. „Notfalls könnten wir auch längerfristig versorgt werden. Das wollen wir aber nicht hoffen“, meinte Scheunemann trotz der sehr guten Zusammenarbeit mit den Coesfeldern. Denn dann könnte es teuer werden. Bislang liegt die von Coesfeld bezogene Wassermenge immer noch unter der vertraglich vereinbarten Abnahmemenge von 400 000 cbm pro Jahr, so dass dem Wasserwerk derzeit keine zusätzlichen Kosten entstehen. Erst wenn Coesfeld mehr liefert, wird es teuer.

Sollte in der kommenden Woche die Förderung wieder aufgenommen werden, könne es durchaus sein, das man die 400 000-cbm-Marke nicht überschreite. Dann blieben „nur“ die Stromkosten für die Pumpen und die Kosten für die Wasseranalysen - insgesamt weniger als 10 000 Euro.

Werkeleiter Peter Scheunemann: „Jedenfalls werden wir erst dann die Versorgung aufnehmen, wenn das Gesundheitsamt sein ausdrückliches O.K. gibt.“

VON LUDGER WARNKE, NOTTULN

 
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