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Mai 2009
Ein Kommentar von Christof Peter-Dosch (Grüne):

"Mit der Forderung nach einer Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt nach Fertigstellung der Umgehung werden interessante, neue Aspekte in die Diskussion eingebracht, die in der extrem polarisierenden Diskussion bislang vernachlässigt wurden: die Lebensqualität entlang der Ortsdurchfahrt  - im Fachjargon auch Städtebauliche Integration der auch zukünftig als Hauptverkehrsstraße einzustufenden Straße.

Offensichtlich wird einem wachsenden Teil der Nottulner Bevölkerung durch die wieder entfachte Diskussion um das Für und Wider der Umgehung  klar, dass alleine mit der Ortsumgehung der Traum von einer ruhigen, in das Leben des historischen Ortskern integrierten ehemaligen Ortsdurchfahrt nach wie vor in weiter Ferne ist. Diese Befürchtung ist begründet.

Hierzu lassen sich z.B. physikalische Gesetzmäßigkeiten heranziehen: Der als Mittelungspegel gemessene Schallpegel reduziert sich bei einer Halbierung des Kfz-Verkehrs um ca. 3 dB(A) – dieser Wert liegt knapp über der für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Schwelle von ca. 2 dB(A). Die Umgehung wird den Prognosen zufolge die Belastung auf der Ortsdurchfahrt aber nur um ca. 40% reduzieren – d.h. deutlich wahrnehmbar wird diese Entlastung unter dem Aspekt Verkehrslärm nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass erfahrungsgemäß bei geringeren Verkehrsbelastungen die Fahrgeschwindigkeiten steigen, was neben einer Beeinträchtigung der Sicherheit für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer auch zu einer Erhöhung der Lärmemissionen führt.

Was die Wunschvorstellung einer verkehrsberuhigt umgestalteten Ortsdurchfahrt nach Fertigstellung der Umgehung betrifft, sieht es angesichts der Haushaltslage in Nottuln ziemlich duster aus. Die jetzige Ortsdurchfahrt fällt wahrscheinlich in die Baulast der Gemeinde, die dann alleine mit dem Unterhalt, der Verkehrssicherungspflicht etc. finanziell genug am Bein hat, als dass hier auch noch einige Millionen Euro in eine baulich Umgestaltung investiert werden könnten.

Da stellt sich jedem verantwortungsvoll denkenden und steuerzahlenden Bürger die Frage nach dem nachhaltigen Nutzen der geplanten Nordumgehung: die prognostizierten Entlastungen reichen faktisch nicht für eine nachhaltige Steigerung der Lebensqualität, die Verkehrssicherheit wird durch höhere Geschwindigkeiten tendenziell verschlechtert, die Landschaft wird verbaut, die Existenz des Wasserwerks wird riskiert.

Es geht aber auch anders – das haben in den Niederlanden, unterstützt von dem Verkehrsplaner Hans Monderman, einige Gemeinden schon vor einigen Jahren durch Umgestaltung ihrer Hauptverkehrsstraßen entsprechend dem „Shared Space“ – Ansatz bewiesen. Dass solche Umgestaltungskonzepte, die den Verkehrsraum in den städtischen Erlebnis- und Aufenthaltsraum integrieren, auch in Deutschland umsetzbar sind, zeigt das Beispiel der kleinen niedersächsischen Gemeinde Bohmte – gar nicht weit von uns entfernt, leidenschaftlich vorangebracht von einem ambitionierten CDU-Politiker als Bürgermeister.

Spätestens mit der geplanten Fertigstellung des vollwertigen Anschlusses der B 474 an den planfrei ausgebauten Knotenpunkt der Anschlussstelle A 43 Dülmen besteht für den überörtlichen Kfz-Verkehr keine Veranlassung mehr, über Nottulner Gemeindegebiet zwischen Coesfeld und der A 43 zu verkehren.

Wenn es gelingt, die Nottulner Ortsdurchfahrt durch Umgestaltung z.B. gem. dem Shared Space – Ansatz für Durchgangsverkehre noch uninteressanter zu machen, profitiert die Nottulner Bevölkerung in mehrfacher Hinsicht: niedrigere Verkehrsbelastungen mit niedrigem Geschwindigkeitsniveau im Ortskern, ein für alle Straßenraumnutzer gestalteter Verkehrsraum im Ortskern bei gleichzeitigem Erhalt von Landschaft und Natur.

Ein solches Konzept ließe sich bereits mit den Investitionskosten für die zu errichtenden Brücke über das Nonnenbachtal für strategisch wichtige Abschnitte der jetzigen Ortsdurchfahrt realisieren. Was wollen wir eigentlich noch? "

 
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