15. April 2009, Westfälische Nachrichten
Nordumgehung: BUND übt Kritik
Nottuln - „Selbst auf der Bundesebene sorgt die Trassenführung der Nottulner Ortsumgehung für äußerst kritische Töne und daraus generiert sich eine massive ablehnende Haltung gegenüber diesem Projekt.“ Darauf haben Petra Lauter und Dr. Meinolf Keßler hingewiesen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) habe nach intensiven Recherchen die Nottulner Nordumgehung in eine Liste äußerst fragwürdiger Straßenbauprojekte aufgenommen. Diese Übersicht, die insbesondere auch die Ver(sch)wendung von Steuergeldern aus dem Konjunkturpaket zum Thema hat, ist im Internet unter www.bund.net mit dem Titel „Intelligenz statt Beton - Straßenbauprojekte in der Kritik“ nachzulesen (Navigationspfad: Verkehr/Infrastruktur/Straßenbauprojekte).
Zur Übersicht ist in einer Karte neben den deutschlandweiten kritischen Autobahn-Straßenbauvorhaben die Nottulner Nordumgehung derzeit als einzige Umgehungsstraße exemplarisch für höchst zweifelhafte Ortsumgehungen aufgeführt. Hinter dem Link auf der Deutschlandkarte, symbolisiert durch das gelbe Ortsschild Nottuln, sind die Gründe nachzulesen, warum der BUND diese Trasse strikt ablehnt und welche Alternativen vorgeschlagen werden.
„Die dort aufgeführten Kritikpunkte bestätigen die seit etlichen Jahren immer wieder vorgebrachten Argumente, wie unzureichende Entlastung der Ortsdurchfahrt, Zerstörung eines Naturschutzgebietes, Gefährdung der Trinkwassergewinnung“, betonen Keßler und Lauter.
Bemerkenswerterweise, so wissen die beiden zu berichten, korrespondieren die beim BUND aufgeführten Kritikpunkte sehr eng mit den Bewertungen des Bundesverkehrsministeriums als Bauherr dieser Maßnahme. Diese wurden bereits im Jahr 2003 im nicht öffentlichen Projektdossier zum Bundesverkehrswegeplan dokumentiert, „aber weder vom Nottulner Rat noch von der Öffentlichkeit bisher im Detail wahrgenommen“. Demnach sei weder das ermittelte Nutzen-Kosten-Verhältnis im Vergleich zu ähnlichen Bauvorhaben überzeugend und erst recht nicht die vorgenommene Umweltrisikoeinschätzung. Diese weist eine äußerst kritische Kennzahl auf, obwohl im Jahr 2003 das Gebiet um das Nonnenbachtal noch nicht einmal als Naturschutzgebiet ausgewiesen war. „Das Projekt hat für die Entlastung von Ortsdurchfahrten eine geringe Bedeutung“, heißt es weiter. Es erhält lediglich einen von fünf möglichen Bewertungspunkten. Die Begründung dafür ist die verbleibende hohe Verkehrsdichte in der Ortsdurchfahrt, die selbst nach dem Bau der Umgehungsstraße für die Anwohner offensichtlich keine wirkliche Entlastung bringen wird, erläuterten die beiden Nottulner abschließend.
Deutliche Entlastung - 7000 Fahrzeuge weniger
Nottuln - Das Bundesverkehrsministerium hat auf WN-Anfrage zum Dossier über das Umgehungsstraßenprojekt Stellung genommen:
Das Dossier NW 8625 - von dem Petra Lauter und Dr. Meinolf Keßler berichten - liege der Einstufung des Projektes Ortsumgehung Nottuln und Ortsumgehung Nottuln-Darup im Zuge der B525 in den Vordringlichen Bedarf des Bedarfsplanes 2004 für die Bundesfernstraßen (BPL) zu Grunde. Der BPL ist Bestandteil des Fernstraßenausbaugesetzes, das im Juli 2004 vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde und seit dem 16. Oktober 2004 rechtskräftig ist. Mit diesem Gesetz hat das Parlament den uneingeschränkten Planungsauftrag für alle Projekte des Vordringlichen Bedarfs bzw. das Planungsrecht für bestimmte Maßnahmen des Weiteren Bedarfs (sog. WB*-Maßnahmen) erteilt. Somit hat das Parlament in Form der gesetzlichen Festlegung entschieden, ob ein nach Netzverknüpfung, Ausbautyp und Investitionskosten beschriebenes Projekt planerisch weiter zu verfolgen ist.
Die Bewertung im Rahmen der Überprüfung des Bedarfsplanes habe, so teilt das Ministerium mit, für die Ortsumgehungen Nottuln und Nottuln-Darup ein solches Nutzen-Kosten-Verhältnis erbracht, das die Einstufung in den Vordringlichen Bedarf rechtfertige. Insbesondere habe bei dieser Entscheidung aber auch die netzverknüpfende Wirkung der Maßnahme eine maßgebliche Rolle gespielt. Die B525 ist eine der wenigen Bundesfernstraßen, die den östlichen Teil der Niederlande mit dem Raum Münster verbinden, teilt da Ministerium mit. Hierbei werden bereits heute die Orte Südlohn, Gescher und Coesfeld umfahren, die Orte Nottuln und Darup jedoch nicht. Ziel der Bundesregierung sei es, gleichwertige Lebensbedingungen in allen Landesteilen zu erreichen. Dazu gehöre auch eine gute Verkehrserschließung gerade für die Randgebiete zu den Nachbarstaaten. Für die Maßnahme B525 bedeutet dies eine gute Anbindung an das Oberzentrum Münster.
„Die geplante Ortsumgehungen schaffen hier nicht nur eine gute ortsdurchfahrtsfreie Verbindung von der A31 über Coesfeld zur A1 und nach Münster, sondern entlasten die Ortsdurchfahrten Darup und Nottuln um rund 7000 Fahrzeuge am Tag. Von einer nur geringen Entlastung der Ortsdurchfahrten kann also nicht gesprochen werden“, hält man im Pressereferat des Ministeriums der Aussage aus dem Gutachten „Das Projekt hat für die Entlastung von Ortsdurchfahrten eine geringe Bedeutung“ entgegen.
Die Ortsumgehung Darup werde voraussichtlich im 3. Quartal 2009 für den Verkehr freigegeben. Für die Ortsumgehung Nottuln wird der Planfeststellungsbeschluss in diesem Frühjahr erwartet; der 1. Spatenstich werde dann voraussichtlich Ende dieses Jahres erfolgen, teilt das Bundesverkehrsministerium mit. |