Westfälische Nachrichten, 16. März 2005
Vom Wasserwerk hängt alles ab
Gemeinderat verabschiedet Stellungnahme zur
Umgehungsstraße
-luw- Nottuln. Mit einer großen Mehrheit aus CDU, SPD und FDP - bei einigen wenigen Aspekten auch mit Zustimmung der Grünen hat der Gemeinderat gestern Abend zur
Tagesthemen-Zeit die gemeindliche Stellungnahme zur Umgehungsstraßenplanung verabschiedet. Dagegen stimmte die UBG.
Sowohl in der vorgeschalteten zweiständigen Sitzung des Werkeausschusses wie auch anschließend in der Diskussion im Rat kristallisierte sich die Zukunft des Wasserwerkes als wichtigster Prüfstein heraus, ob es bei dem grundsätzlichen ja der Gemeinde zur Umgehung bleibt. Der Werkeausschuss beschloss einen umfangreichen Fragenkatalog - ergänzt
um Bürgeranregungen - für ein noch zu erstellendes Gutachten, das die Auswirkungen der Umgehungsstraße auf le Zukunft des Wasserwerkes klären soll.
Dr. Martin Geuking (FDP) betonte in der anschließenden Ratssitzung, dass die FDP ihre Zustimmung zurückziehen werde, sollte das Wasserwerk gefährdet werden. Ähnlich äußerte sich auch Josef Lütkecosmann (CDU) in einer persönlichen Erklärung.
Die vom Rat gestern Abend verabschiedete Stellungnahme berücksichtigt einerseits die Forderungen aus dem
Umgehungsstraßen-Ratsbeschlusses von 1997 und greift andererseits neue Aspekte auf, die sich aus der nun vorliegenden
Detailplanung ergeben haben und über die bereits in der vergangenen Woche im
Gemeindeentwicklungsausschuss beraten und entschieden wurde (wir berichteten).
Zeitweise verfolgten rund 150 Bürger die mehrstündige Diskussion im Forum. |
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15. März 2005, Ratsbeschluss
Ergänzend und in Bestätigung des Beschlusses
von 1997 wird die folgende Stellungnahme beschlossen:
1a) Der Lärmschutz für den Erholungsbereich Bagno ist
zu vollziehen. Der Erholungsbereich erstreckt sich vom Gemeindeweg
parallel zur Billerbecker Straße (Draum, Anm. d. Verf.) bis zur Havixbecker Straße. Die Lärmimmission muss für diesen
empfindlichen Bereich den Anforderungen für Wohngebiete entsprechen. Der
Nachweis ist zu führen. Insbesondere für die Nonnenbachbrücke ist ein
aktiver Schallschutz vorgesehen.
1b) Die Entlastung in der Ortsdurchfahrt ist hinsichtlich der Lärm- und
Schadstoffbelastung nachzuweisen.
2) Nach der vorliegenden Planung ist angrenzend an das
Baugebiet Bagno eine Troglösung mit 4,00 Meter Tiefe geplant. Es muss
sichergestellt werden, dass alle Menschen die Straße in diesem tiefer
gelegten Bereich überqueren können.
3) Die Planung der Nonnenbachbrücke ist gestalterisch
zu überarbeiten und dem Gemeinderat zur Abstimmung vorzulegen.
4) Die Anbindung der Ortsumgehung an das Gebiet
Industriepark I/II wird gefordert.
5) Eine Beampelung der Anbindungen der Ortsausfahrt in
Richtung Darup und Appelhülsen sowie eine zusätzliche Beampelung an den
Kreuzungen Schapdettener Straße und Havixbecker Straße wird gefordert.
6) Die Gemeinde fordert, den Harfelder Weg als direkte
Verbindung (auch für Kfz) zwischen Nottuln und dem Stevertal durch eine
Unter- bzw. Überführung zu erhalten. |
Dazu eine GRÜNE Stellungnahme:
Nun hat also die Gemeinde in Abstimmung mit dem
Gemeinderat eine Stellungnahme zu den jetzigen Planungen der Umgehungsstraße abgegeben. Was bedeutet
das? Die Gemeinde stellt Forderungen an die Bezirksregierung zu den
Planungen der Straße. Nicht klar gesagt hat der Gemeinderat, was
passiert, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden. Sind wir dann gegen
die Straße? Oder schlucken wir die Kröten?
DIE GRÜNEN hatten
nach mehreren anderen Vorschlägen beantragt, in die Stellungnahme
mit hineinzuschreiben: "Die Gemeinde Nottuln behält sich
vor, auch nach dem Erörterungstermin - bei für die Gemeinde
unbefriedigenden Lösungen - noch gegen den Bau der Umgehungsstraße
zu stimmen." Auch dies lehnten CDU, SPD und FDP ab.
Schon im Ratsbeschluss von 1997 hat man doch dem
Bau der Umgehungsstraße nur unter der Voraussetzung zugestimmt,
dass von den Planern bestimmte Dinge "garantiert werden".
Dazu gehörten Dinge, von denen man heute schon weiß, dass sie auf
keinen Fall verwirklicht werden.
Dann sollte man doch auch so ehrlich sein und ein
uneingeschränktes JA zur Umgehungsstraße geben - mit allen
Nachteilen und Folgen. Immer wieder zu sagen "Wir entscheiden
später", ist irgendwann nicht mehr glaubwürdig, denn schon
heute ist die Umgehungsstraße im "vordringlichen Bedarf"
(auch auf Grund des "weit fortgeschrittenen
Planungsstandes"), was auch bedeutet, dass Klagen keine
aufschiebende Wirkung haben. Wenn die Straße erst gebaut ist, sind
wir der Entscheidung enthoben.
Ich wünsche uns nicht, dass dann der Spruch des
Tages aus der heutigen WN passen wird:
Bitter ist es, heute das tun zu müssen, was man gestern noch wollen
konnte. (Karl Ferdinand Gutzkow)
Sigrid Bürger |
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| Schreckensszenario: Wird das Nottulner Wasserwerk durch den Bau der Umgehungsstraße
gefährdet? "Nein", sagen die Straßenplaner. Dennoch: Ein
Gutachten soll nun für die nötige Klärung dieser Frage sorgen. |
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Karikatur: Heinrich Schwarze-Blanke |
17. März 2005, Westfälische Nachrichten
Neue Beratung nach Erörterungstermin
Ortsumgehung: Stellungnahme der Gemeinde beschlossen
-luw- Nottuln. 16 Uhr Ortsbegehung an der
Umgehungsstraßentrasse, 18 Uhr Werkeausschuss, 20 Uhr Ratssitzung bis in
den sehr späten Abend hinein - Nottulns ehrenamtlich tätige
Kommunalpolitiker wurden am Dienstag hart gefordert. Schließlich ging es
aber auch um eines der wichtigen Zukunftsthemen: die Umgehungsstraße.
Zeitweise rund 150 Bürger verfolgten im Forum des Gymnasiums die
Sitzungen von Werkeausschuss und Gemeinderat.
In der zweistündigen Sitzung des Werkeausschusses ging es um die
Stellungnahme der Gemeindewerke zu dem Projekt, speziell um die
Bestandssicherung des Wasserwerkes. Werkeleiter Peter Scheunemann fasste
zu Beginn den Sachstand und bisherigen Kenntnisstand zusammen: Danach
werden die Wasserschutzgebiete und die Fördermenge durch die
Umgehungsstraße nicht gefährdet. Inwieweit eine Ortsumgehung aber die
Wasserqualität und damit letztlich auch den Bestand des Wasserwerkes gefährdet,
ist zur Zeit die große offene Frage.
Der Werkeausschuss verabschiedete in seiner Stellungnahme einen
umfangreichen Fragenkatalog, ergänzt um Anregungen von Bürgern, die
gutachterlich geklärt werden sollen. Die Kosten dieses Gutachtens teilen
sich Gemeinde und Landesbetrieb Straßenbau. Die Fragen, die zu klären
sind, legt die Gemeinde fest, den Gutachter wählt der Landesbetrieb aus,
informierte Bürgermeister Schneider.
Da bereits für den Herbst der Erörterungstermin geplant ist, in dem die
Anregungen und Bedenken besprochen werden, soll der Gutachter neben dem
eigentlichen Gutachten (Dauer sicherlich über ein Jahr) zunächst
vorrangig eine Gefährdungsabschätzung erstellen, deren Ergebnis dann in
die Erörterung einfließt.
Um die Stellungnahme der Gemeinde zur vorliegenden Ausbauplanung ging es
in der anschließenden Ratssitzung. Gleichwohl gab es immer wieder
Bestrebungen, die Grundsatzfrage Ja oder Nein und damit auch die
Grundsatzentscheidung von 1997 erneut auf den Tisch zu bringen. So
kritisierten die Grünen die Unverbindlichkeit der
gemeindlichen Anregungen. Ihre Forderung: Der Rat möge jetzt schon eine
klare Bedingung beschließen: Werden die Anregungen der Gemeinde nicht erfüllt,
lehne man das Projekt ab. Dieses Ansinnen der Grünen, die bei der
Abstimmung darüber nur von der UBG unterstützt wurden, lehnte die breite
Mehrheit des Rates aus CDU, SPD und FDP ab. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe es
ist nicht um das Ja oder Nein, sondern um das Wie, hieß es. Zudem gebe es die Zusage des Landesbetriebs, dass die Gemeinde jederzeit
einen anderen Beschluss fassen könne.
Für Befremden bei CDU, SPD und FDP sorgte das Abstimmungsverhalten der
UBG. Hatte diese sich der in der vergangenen Woche im Ausschuss für
Gemeindeentwicklung erarbeiteten Stellungnahme noch angeschlossen, lehnte
die UBG nun die gemeindliche Stellungnahme ab. Wir sehen die Sache heute
anders als vor einer Woche, meinte Fraktionsvorsitzender Rolf Schulz. Die
UBG halte den Beschluss zur Nordumgehung für falsch. Ihrer Meinung nach
werden die im Ratsbeschluss von 1997 genannten Mindestanforderungen durch
die jetzige Stellungnahme der Gemeinde aufgeweicht, was man nicht
mittragen werde.
Zuvor hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Wolf Haase noch den Kompromiss
unterbreitet, in der Stellungnahme explizit auf den Beschluss von 1997 zu
verweisen. Diesem Vorschlag stimmten CDU und FDP zu.
Bürgermeister Peter Amadeus Schneider schlug vor, dass sich der Rat im
Herbst mit dem Ergebnis des Erörterungstermins befasst und über das
weitere Vorgehen berät. Kurzfristig auf die Tagesordnung kamen auch die Themen Netzschlusslösungen
(örtliche Entlastungsstraßen) und kommunale Straßenmaut beide von der
SPD beantragt. CDU, SPD und FDP bekräftigten ihre Zustimmung zum Modell
der Netzschlusslösungen und beschlossen mit ihrer Mehrheit einen
entsprechenden Prüfungs- und Planungsauftrag an die Gemeindeverwaltung.
Einstimmig wurde die Verwaltung zudem beauftragt, die Möglichkeiten einer
kommunalen Straßenmaut zu prüfen. |
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