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Westfälische Nachrichten, 4. März 2005
Der
Preis ist einfach zu hoch
Rund 180 Zuhörer bei der Info-Veranstaltung des
Bürgervereins zum Thema "Umgehung"
-ms- Nottuln. Fundierte Argumente und sachliche
Diskussionen, hier und da aber auch ein wenig Polemik und Populismus.
Keine Frage: Die Informationsveranstaltung des Vereins "Bürger für
eine entlastende Verkehrsführung zum Schutz von Mensch, Umwelt und
Naherholungsgebieten Nottuln" kurz Bürgerverein am Mittwoch hatte es
in sich. Rund 180 Zuhörer waren in den Saal Denter gekommen, um die
Standpunkte des Bürgervereins und der Parteien zu erfahren.
Bürgervereins-Vorsitzender Wolfgang Jänicke stellte dabei heraus, dass
seine Organisation nicht grundsätzlich gegen eine Ortsumgehung sei.
"Wir sagen lediglich, dass die Entlastung im Ortskern trotz einer
Umgehungsstraße unterhalb der Wahrnehmungsebene sein wird. Die
Verkehrssituation auf der B525 ist schlimm. Aber sie wird durch diese Straße
nicht besser."
Jänicke erklärte weiter, dass eine Umgehungsstraße lediglich den
Verkehr auf zwei Straßen verteilen würde. "Es bleiben laut
Verkehrsgutachten mindestens 13000 Fahrzeuge im Ort, es kommen zudem
mindestens 7000 Fahrzeuge auf der neuen Straße hinzu."
Bestätigt fühlt sich der Bürgerverein in seinen Annahmen durch eine
Raumwirksamkeitsanalyse des Bundesverkehrsministeriums. In der heißt es wörtlich:
"Das Projekt hat für die Entlastung von Ortsdurchfahrten eine
geringe Bedeutung."
Der Bürgerverein ist sich daher sicher, dass das Straßenbauprojekt und
seine Auswirkungen in keinem Verhältnis zueinander stehen. "Der
Preis ist einfach zu hoch. Das Dorf wird mit einem Sichelschnitt aus einem
gewachsenen Umfeld herausgeschnitten und von den Baumbergen abgetrennt.
Nonnenbachtal und Kreithecke werden durch eine Brücke zerstört, das
Stevertal abgeschnitten und verlärmt, das alte Siedlungsgebiet Vogelbusch
durchschnitten. Die Folgen für das Wasserwerk sind zudem nicht
kalkulierbar," führte Jänicke einige Gründe ins Feld, die nach
Meinung des Bürgervereins gegen eine Umgehung sprechen.
Weiter präsentierte er Daten aus dem Früherkennungssystem des
Bundesamtes für Naturschutz, aus denen hervorgeht, dass das geplante
Umgehungsstraßenprojekt nur ganz knapp an einer Umweltrisikoeinschätzung
vorbeischrammt. Die Ergebnisse zeigen die bedeutsamen Auswirkungen der
Umgehungsstraße auf die Umwelt.
Besonders kritisch sieht der Bürgerverein, so Jänicke, dass die
derzeitige Planung "auf der Grundlage von veralteten Daten und Fakten
beruht". Die vor Jahren erstellten Gutachten seien wenig aussagekräftig.
"Die Verkehrsflüsse haben sich geändert durch die Umgehungsstraße
in Lette und die Freigabe der A31. Zudem wird der Ausbau der B67n
vorangetrieben. Die Inbetriebnahme dieser Straße wird die Umgehung
Nottuln überflüssig machen. Als vorgezogene Maßnahme wäre die Sperrung
der B525 für den Schwerlastverkehr sinnvoll."
Keinen Zweifel ließ Jänicke daran aufkommen, dass man mit aller Macht
versuchen werde, den Bau der geplanten Umgehungsstraße zu verhindern.
"Wir glauben weiterhin, dass das möglich ist und streben eine
politische Lösung an. Notfalls werden wir aber juristisch vorgehen,"
kündigte der Bürgervereins-Vorsitzende an. Deshalb wird sich schon bald
losgelöst vom Bürgerverein ein weiterer gemeinnütziger Verein gründen,
der als juristische Person das Umgehungsstraßenprojekt rechtlich
hinterfragen soll. |
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Parteien behalten ihre Standpunkte bei
CDU, SPD und FDP sprechen sich für eine Umgehungsstraße aus / UBG und
Grüne dagegen
-ms- Nottuln. Leichtes Spiel für UBG und Grüne, schwerer Stand für die
"Umgehungsstraßen-Befürworter". CDU, SPD und FDP. Ob "pro" oder "contra" - alle im Rat vertretenen Fraktionen stellten bei der Informationsveranstaltung des Bürgervereins ihre Standpunkte vor. Und diese waren nicht anders als bei der Ratsabstimmung über den Bau der Straße im Jahr 1997.
"Der größte Teil des Verkehrs in der Gemeinde ist
hausgemacht. Eine Umgehungsstraße wird keine Entastung bringen, deshalb
bleiben wir bei unserem Nein", machte Sigrid Bürger unmissverständlich klar, dass die Grünen weiterhin gegen eine Umgehungsstraße sein werden. Sie bestätigte
die Argumente des Bürgervereins und kritisierte aufs Schärfste den Bundesverkehrswegeplan, in dem es
heißt, dass wegen des weit fortgeschrittenen Planungsstandes und der netzkonzeptionellen Wirkung dem Projekt ein vordringlicher Bedarf
zugeordnet wird.
Wie Sigrid Bürger, so untermauerte auch Rolf Schulz die ablehnende Haltung der UBG zur Umgehungsstraße.
"Die Planung verhindert jeglichen Zukunftsspielraum. Nottuln wird im Gewerbebereich von umliegenden Gemeinden der Rang abgelaufen. Im Prinzip hat man
nichts zu bieten außer Naherholung. Durch eine Nord-Umgehung würden die Baumberge aber
abgeschnitten werden, so der UBG-Fraktionsvorsitzende, der hart mit dem Landesbetrieb
Straßenbau in Coesfeld ins Gericht ging. "Wir als UBG fühlen uns
belogen. Die Gemeinde ist nicht an der Linienführung beteiligt worden. Die Devise hieß: Friss
oder stirb."
Josef Lütkecosmann (CDU) hingegen stellte sich energisch hinter den Ratsbeschluss von 1997. "Die derzeitige Belastung ist kaum zu verantworten. Die CDU ist der Meinung, dass durch die Nord-Umgehung, die von Experten als einzig machbare Alternative ausgewiesen wurde,
gravierende Probleme gelöst werden. Und durch den Rückbau der alten Trasse besteht die Möglichkeit, auch den innerörtlichen Verkehr zu reduzieren." Deutlich machte das
CDU-Ratsmitglied aber auch, dass man bereit sei, die gefällte Entscheidung zu überdenken, sollte das noch ausstehende Gutachten zum Wasserwerk wesentlich neue und nicht zu verantwortende Erkenntnisse zu Tage fördern. "Dann würden wir die Reißleine ziehen."
"Wenn Fragen nicht schlüssig beantwortet werden, sind auch wir in der Lage, unsere Meinung zu ändern. Die vorliegenden Daten sind aber nicht so gravierend, als das wir das tun müssten", hielt sich Wolf Haase (SPD) ebenfalls die Option offen, unter gewissen Umständen die gefällte Entscheidung noch einmal zu überdenken.
Unmissverständlich klar machte er allerdings, dass die "augenblickliche Situation zeigt, dass die damalige Entscheidung der SPD-Fraktion auch
aus heutiger Sicht richtig war". Er hob hervor, dass eine Umgehungsstraße neue
Möglichkeiten der innerörtlichen Entwicklung eröffne. "Trotz aller Bauchschmerzen
muss man immer die Gesamtperspektive eines Ortes im Auge haben."
Wilhelm Tegetmeyer von der FDP machte darauf aufmerksam, dass es in dem Umgehungsstraßen-Projekt
keine umfassende Gerechtigkeit geben werde. "Einige Bürger werden entlastet, andere belastet. Es muss abgewägt werden." Eine eindeutige Meinung habe seine Partei aber dennoch zu diesem Thema. "Wir sehen nur eine einzige Möglichkeit. Das ist der Bau einer Umgehungsstraße. Unterm Strich kommt mehr Gutes als Schlechtes dabei heraus." |
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