|
Westfälische Nachrichten, 12. Februar 2005
Ein idyllisches Fleckchen - bald Vergangenheit ?
Nottulner Ansichten: Die Kreithecke
von Ortwin Urban
Nottuln. Schon immer besaß man einen besonders pittoresken Blick von Nordwesten auf Nottuln, seine Kirche und die Kreithecke. Die geschwungenen Hügel erlauben, von einer erhöhten Position am Schmittler aus, dem Betrachter die Silhouette der in leuchtend gelbem Sandstein erbauten Kirche St. Martinus und die Dächer einiger höherer Häuser in Augenschein zu nehmen. Sanft schwingen sich die Ausläufer der Baumberge vom Draum her auf den Ort zu. Auf der alten Ansicht
llinks neben der Kirche ist das Dach des Pfarrhauses deutlich zu erkennen. Man kann
quasi fast auf den Kirchplatz schauen, so frei war damals die Sicht. An der tiefsten Stelle (vor der Kirche der hellere Fleck), ist der Stiftsteich zu erkennen, der vom Nonnenbach gespeist wird. Im Sommer nützten die Nottulner den Teich als Badeanstalt, im Winter diente er ihnen als Eislaufbahn.
Bis in die 20er Jahre hinein behielt der Teich als Schwimmanstalt seine Funktion, ausgestattet mit einer separaten
Umzäunung als Sichtschutz, damit Weiblein und Männlein züchtig getrennt dem Badesport nachgehen
konnten
Mitte der 20er Jahre errichtete man eine richtige Badeanstalt mit Umkleidekabinen. Dieser Stiftsteich versorgte damals ebenfalls die alte Mühle Zumbülte an der heutigen Mühlenstraße nahe des Liebfrauenkindergartens gelegen mit Wasser, um das heute noch vorhandene, aber nicht mehr in Funktion befindliche Mühlenrad anzutreiben.
Der Fischbesatz des Teiches versorgte das Stiftsdorf in früheren Zeiten mit einem Teil des Fischbedarfes. Gefangen wurden die Fische mit einem eigens dafür bereitgehaltenen Kahn. Heute lockt dieses kleine idyllische "Fleckchen Nottuln"' Spaziergänger, die von dort aus zu Wanderungen
in die Baumberge aufbrechen oder der Tier- und Pflanzenwelt am Teich ihre
Aufmerksamkeit schenken. Umgekehrt gelangen viele Touristen, die sich von Norden her dem Stiftsdorf nähern, über das Ludgeruspättken, das von Nottuln bis nach Billerbeck fiihrt, durch die Region der Kreithecke in das Dorf. Die Wiesen der Kreithecke dienen aber auch der Wasserversorgung der Gemeinde. Aus mehreren Brunnen wird hier das
Trinkwasser für die 20 000-Einwohner-Gemeinde gewonnen. Mit rund einer Million cbm Wasser jährlich versorgt das Wasserwerk die Bevölkerung von Nottuln.
Die Umgehungsstraßenplanung wird gravierende, nach Auffassung der Straßenplaner
beherrschbare Auswirkungen auf diese Flächen haben. Sollte die in Planung befindliche Nord-Umgehung für Nottuln einmal gebaut werden, überspannt die Verkehrstrasse mit einer Brückenkonstruktion etwa in der Mitte beider Ansichten horizontal von links nach rechts verlaufend das Tal. Eine der Schokoladenseitenansichten der Gemeinde würde dann der Vergangenheit hören.
Diese alte Ansicht dürfte etwa aus den 50er Jahren sein. Aber auch auf Bildmaterial früherer Zeiten taucht dieses Motiv sehr häufig auf. Neben, Motiven, auf denen Häuser und Kirche des Dorfes abgebildet sind, gehört die Ansicht der Kreithecke zu den Klassikern unter den Ansichtskarten. |