BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Fraktion im Rat Nottuln
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Nottuln, den 10.01.2005 |
An den
Ausschuss für Gemeindeentwicklung
z.Hd. Herrn Vorsitzenden Wolf Haase |
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Antrag zur Umgehungsstraße
Sehr geehrter Herr Haase,
sehr geehrte Damen und Herren,
im Jahre 1997 beschloss der Rat der Gemeinde
Nottuln den Bau einer Umgehungsstraße in Nottuln mit dem Ziel,
die Ortsdurchfahrt zu entlasten.
Grundlage
für diesen Beschluss war das Verkehrsgutachten der Firma Dorsch
Consult, erstellt in den Jahren 1991 bis 1993. Dieses
Verkehrsgutachten prognostizierte bis zum Jahr 2010 einen
Verkehrszuwachs von bis zu 15 %, der so nicht eintreten wird.
Weiter
unberücksichtigt blieb der Ausbau der B747 und der B67n.
In
Nottuln manifestierte sich durch den Bau neuer Einkaufszentren
(zuletzt auf dem Rhodeplatz) die Funktion der B525 als
Hauptverkehrsachse.
Neue Wohngebiete führten zu einer Zunahme des
Ziel-, Quell- und Binnenverkehrs.
Diese
neuen Entwicklungen bedeuten eine weitere Minderung der schon im
Verkehrswegeplan als gering eingeschätzten städtebaulichen
Wirksamkeit des Projektes. Eine Entlastung der Ortsdurchfahrt auf
einen Wert, der einen Aufenthaltsbereich ermöglicht, ist
noch unrealistischer geworden.
Demgegenüber stehen die nach
wie vor ungeklärten Risiken für das Wasserwerk, der Flächenverbrauch,
die „Verlärmung“ der Naherholungs- und Wohnbereiche im
Norden Nottulns, die Trennwirkung zu den Baumbergen, der
Wohnwertverlust sowie die Einschränkungen für die Landwirtschaft.
Wir
beantragen:
Die Gemeinde Nottuln überprüft die
Entscheidungsgrundlagen und den Beschluss zum Bau der Nottulner
Umgehungsstraße.
Mit freundlichen Grüßen
Richard Dammann
Josef Flögel
Begründung:
Verkehrsentwicklung
Das
Verkehrsgutachten der Firma Dorsch Consult aus dem Jahre 1993
prognostizierte bis zum Jahr 2010 einen Verkehrszuwachs von bis zu
15 %. Die wirtschaftliche und demografische Entwicklung, die in
den folgenden Jahren tatsächlich eintrat, konnte zu diesem
Zeitpunkt nicht vorausgesehen werden.
Die
Verkehrssituation hat sich in wesentlichen Punkten geändert,
sodass das nunmehr über 12 Jahre alte Verkehrsgutachten nicht
mehr als Planungsgrundlage verwendet werden kann.
Im
Straßenbaubericht 2003 der Bundesregierung wird ein Rückgang des
Individualverkehrs und ein ungefähr gleich gebliebener Güterverkehr
auf der Straße seit 2001 festgestellt. Insbesondere auf den
Bundesstraßen sind seit 1995 keine Verkehrszuwächse mehr zu
verzeichnen.
Überregionaler Verkehr
Die
B525 bildet eine attraktive Verbindung für den Fernverkehr von
der A31 über die A43 in Richtung A1. Bislang meidet der überregionale
Schwerverkehr die engen Ortsdurchfahrten. Mit der Umgehung
entfiele dieses Hemmnis für den Schwerverkehr und es würde ein
beträchtlicher zusätzlicher Verkehrsstrom in die Region geholt
werden. Die Einführung der LKW-Maut würde die Nutzung dieses
„Schleichweges“ zusätzlich interessant machen.
Alle
Hoffnungen auf Entlastung würden damit ins Gegenteil umschlagen.
Auch die Wohngebiete Fasanenfeld II und der Bereich Oberstockumer
Weg würden durch den erhöhten Anteil an Schwerlastverkehr zusätzlich
belastet.
Der
Zeitgewinn bei Nutzung der geplanten Umgehungsstraße liegt bei
unter 1% (Bundesverkehrswegeplan
2003) und zwar bei erhöhtem Treibstoffverbrauch, erhöhter Emissionsbelastung
und erhöhten Betriebskosten.
Damit stellt sich die Frage, ob das Projekt überhaupt
gerechtfertigt ist.
Regionale Verkehrsentwicklung
Mit der
Fertigstellung der Ortsumgehung der B474 um Lette wird die
Realisierung des regionalen Verkehrskonzeptes konkret. Der nächste
Schritt, die Fertigstellung der B67n, rückt ebenfalls näher.
Diese Hauptverkehrsachse des Westmünsterlandes wird auch von der
Wirtschaft präferiert. Sie wird den Verkehrsstrom in West-Ost-
Richtung bündeln und zu einer Entlastung der B525 von regionalem
Verkehr führen.
Lokale Verkehrsentwicklung
Die
Gemeinde Nottuln konnte kürzlich ihren 20.000. Einwohner feiern.
Insbesondere die neuen Wohngebiete Alter Kirchweg, Hangenfeld und
Fasanenfeld II hatten Anteil an diesem Bevölkerungszuwachs.
In
den letzten Jahren haben sich die Lebensmittelmärkte (Aldi, Lidl, und in geringem Abstand
K&K) entlang der
B525 aufreiht. Die Funktion der B525 als Hauptverkehrsachse wird
dabei von den Einkaufsmärken genutzt, aber auch manifestiert.
Diese Entwicklung findet einen vorläufigen Höhepunkt im Bau des
neuen Einkaufszentrums auf dem Rhodeplatz, das die Funktion der
Daruper Straße als Hauptverkehrsachse in Nottuln nun endgültig
festschreibt. Das Verkehrsgutachten der Firma NTS zur
Rohdeplatzbebauung prognostiziert etwa 2000 Fahrzeugbewegungen
allein zu diesem Lebensmittelmarkt.
Anders
als im Dorschgutachten prognostiziert, hat sich durch diese
Entwicklung das Verkehrsvolumen des Ziel-, Quell- und
Binnenverkehrs im Gegensatz zum Durchgangsverkehr signifikant erhöht.
Das
ursprüngliche Entlastungsziel einer Reduzierung der
Verkehrsbewegungen um 40% kann deshalb durch eine Umgehungsstraße
immer weniger erreicht werden.
Öffentlicher Nahverkehr
Mit
den Schnellbussen ist eine Verkehrsalternative eingeführt worden,
die von den Bürgern tatsächlich auch angenommen wird. Das
Fahrgastpotential ist bei weitem noch nicht vollständig
erschlossen, führt aber bereits jetzt zu einer spürbaren
Minderung des Individualverkehrs in Richtung Münster.
Die
aktivere Förderung der Schnellbusverbindungen der Gemeinde Senden
beweist, dass sich dieses Fahrgastpotential durchaus erschließen
lässt.
Lärm
Die
zu erwartende Lärmbelastung an einer Umgehungsstraße ist noch
schwer vorstellbar. Ein Streifen von 450 Metern links und rechts
der Trasse wird mit einer Belastung oberhalb 55 dB(A) am Tage und
45 dB(A)in der Nacht leben müssen. Erst Werte darunter werden als
ruhig bzw. „nicht störend“ empfunden. Es ist sogar davon
auszugehen, dass in weiten Bereichen Nottulns die Grenzwerte von
59 dB(A) am Tage und 49dB(A) nachts für reine und allgemeine
Wohn- und Kleinsiedlungsgebiete überschritten werden. Betroffen
sind dann nicht nur einige Anwesen in bevorzugter Randlage.
Der
zusätzlichen Belastung an der Umgehungsstraße wird an der alten
B525 eine Entlastung von maximal 2-3dB(A) gegenüberstehen. Eine
Halbierung des Verkehrs führt zu einer Reduzierung der Lärms und
3 dB(A). Werte ab 2dB(A) können vom Gehör als Änderung
wahrgenommen werden; sie gelten als Wahrnehmungsschwelle.>
Wasserwerk
Im
Jahre 2000 ist es zu 2023 Unfällen von Gefahrguttransporten
auf dem Straßennetz von 230.000 km gekommen. Das bedeutet alle 100 km einen Unfall
mit Wasser gefährdenden Stoffen, also statistisch alle 50 Jahre
einer in dem kritischen Bereich von etwa 2 km um das Wasserwerk.
Tatsächlich kann das Risiko aber deutlich höher eingeschätzt
werden, da eine Brücke immer ein Unfallschwerpunkt ist.
„Wie
das Statistische Bundesamt mitteilt, ereigneten sich im Jahr 2003
in Deutschland 2023 Unfälle mit Wasser gefährdenden Stoffen
(z.B. Mineralölprodukte). Von der dabei freigesetzten Menge von
ca. 5 700 m³ konnten nur rund 1 500 m³ (25,7%) wiedergewonnen
werden. Damit ist der Erfolg von Wiedergewinnungsmaßnahmen in
den letzten vier Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Die höchste
Wiedergewinnungsquote wurde im Jahr 2000 mit 63,1% erreicht. Im
Jahr 2001 betrug sie 48,8% und 2002 29,4%.“
Erst
auf Initiative der Gemeinde wird das Gefährdungspotential nun
eingehender durch ein Gutachten untersucht. Wir erwarten auch
Aussagen zu den ökonomischen Auswirkungen des Projektes auf den
Eigenbetrieb der Gemeinde und eine Untersuchung der langfristigen
Auswirkungen der Umgehungsstraße auf die Wasserqualität. |