Grünschnabel Januar 1998:
Kommentar zum Umgehungsstraßenbeschluss
Nun
ist es also passiert. Die historische Entscheidung ist gefällt. Die CDU
hat die Uneinigkeit in ihren Reihen mit Hilfe der SPD überspielen können
und beschlossen: Die Umgehungsstraße wird unsere Probleme lösen.
Ein
Problem, das dieser Beschluß natürlich löst, ist, daß CDU- und
SPD-Mitglieder nun immer auf Fragen nach der Lösung von Verkehrsproblemen
mit dem Hinweis auf die Umgehungsstraße antworten können. Das wird ihnen
in den nächsten 10 bis 20 Jahren helfen. Nur, was passiert, wenn diese
Straße mangels finanzieller Möglichkeiten gar nicht gebaut wird? oder -
noch schlimmer - wenn diese Umgehungsstraße im Jahre 2012 (dieses Jahr
nannte der Vertreter des Bundesministeriums) gebaut wird, aber keines
unserer Probleme gelöst ist?
Der
Beschluß wurde verpackt in einen ganzen Katalog von zu erfüllenden
Voraussetzungen und begleitenden Maßnahmen, um den Gegnern zu beweisen,
daß man es sich nicht leicht gemacht hat mit der Entscheidung.
Da
wird einer Ortsumgehung zugestimmt unter der Voraussetzung, daß Bund und
Land bestimmte Dinge garantieren:
Unproblematisch
sind sicherlich die Garantie von Lärmschutz- und Naturausgleichsmaßnahmen; da gibt es gesetzliche
Bestimmungen, die der Rat der Gemeinde Nottuln nicht neu beschließen muß.
Kritischer
wird es schon, wenn da ganz bestimmte Übergänge gefordert werden. Ist
die Garantie schon da? Und was passiert, wenn ein Übergang nicht
realisiert wird? Ist dann der Beschluß hinfällig?
Da
wird ein Zusatzgutachten mit entsprechenden Bohrungen wegen des
Wasserwerkes gefordert. Wird das gemacht? Und was passiert, wenn die
Gutachter es für überflüssig halten? Ist dann der Beschluß hinfällig?
Ganz
und gar komisch wird es dann, wenn die Forderung an die Planer ergeht:
"Im Zusammenhang mit der Ortsumgehung Darup ist eine Linienführung
zu finden, die die gefährliche Situation am Daruper Berg bereinigt".
Es gab lange Gespräche über die Linienführung, in denen immer wieder
dargestellt wurde, daß sich an der Situation am Daruper Berg nichts ändern
wird, da die geplante Umgehungsstraße erst am "Starenkasten"
abbiegt und eine andere Linienführung nicht in Frage kommt.
Ist
der Beschluß da nicht hinfällig?
Herr
Ulrich vom Bundesverkehrsministerium hatte ganz klar gesagt, daß man bei
dieser Art von Straße völlig über den Kopf der betroffenen Gemeinden
hinweg entscheiden könne, und man die Gemeinde in diesem Falle lediglich
über das "ob" befragen würde, weil man aufgrund der knappen
Haushaltsmittel sowieso nicht alle Straßen, die im Verkehrswegeplan
stehen, realisieren könne. Über das "wie" entscheiden
Gutachter, Gerichte, Landes- und Bundesbehörden, da hat der Rat der
Gemeinde Nottuln keinen Einfluß.
Soweit
zum ersten Teil dieses "Jahrhundertbeschlusses".
Was
dann im zweiten Teil beschlossen wurde, betrifft lediglich die Gemeinde
Nottuln, ist aber mindestens genauso verblüffend - der große Bluff? -
wie der erste.
Da
beschließen SPD und große Teile der CDU "Die Planung und den Bau
von Netzschlußlösungen zum Anschluß südl. Wohnbereiche an die B 67 in
Richtung Coesfeld sowie an die A43/Richtung Appelhülsen".
In
der Ratssitzung macht Herr Stevermüer mit schönen bunten - an die Wand
geworfenen - Plänen klar, was er damit meint: Eine Straße zwischen B67
und Oberstockumer Weg, eine Straße zwischen Oberstockumer und
Niederstockumer Weg, ein Straße zwischen Alter Kirchweg und Dülmener
Straße, hier ein netter kleiner Kreisverkehr, dann die Straße weitergeführt
bis zur Steinstaße Richtung Buxtrup - die Buxtruper Straße muß natürlich
ausgebaut werden - und dann irgendwie möglichst breit und möglichst
schnell an die B67 Richtung Autobahn. Und alles immer nah an den südlichen
Wohngebieten entlang - frei nach dem Motto "baut uns der Bund keine Südumgehung,
dann bauen wir sie eben selbst!"
Besieht
man sich die Länge dieser neu zu bauenden bzw. auszubauenden Straßen, so
kommt man gut und gerne auf die Länge der geplanten Daruper Umgehung. Im
Bundesverkehrswegeplan werden für den Bau dieser Umgehungsstraße 5,7
Millionen DM veranschlagt. Und nun beschließt unser Gemeinderat mal eben,
ein Projekt dieser Größenordnung selbst zu planen und zu bauen (mal ganz
abgesehen davon, daß die Dülmener Straße eine Kreisstraße ist und hier
der Kreis noch ein Wörtchen mitzureden hätte). Und das bei einer
Haushaltslage, wo eine seit Jahren beschlossene Tempo-30-Regelung in
Nottuln-Süd immer wieder wegen fehlender Finanzen verschoben wird.
Das
ist schon eher tragisch als komisch.
Sigrid Bürger
(Fraktionssprecherin Bündnis 90/DIE GRÜNEN) |