|
4. November 1997 - Rat der
Gemeinde Nottuln
Stellungnahme der GRÜNEN
Sehr geehrte Damen und Herren,
zunächst
ein kurzes Wort zur Vorgehensweise:
Ein
Ratsbeschluß, der für die Menschen in Nottuln von so weitreichender
Bedeutung ist wie die Entscheidung für oder gegen die Umgehungsstraße,
verdient es, mit Hilfe von Sachargumenten entschieden zu werden und nicht
mit der Glaubwürdigkeit oder
Unglaubwürdigkeit einzelner Personen.
Wir
sind heute hier, um eine politische Entscheidung zu treffen.
Gutachten
können uns diese Entscheidung nicht abnehmen, sondern allenfalls in den
Grenzen ihrer jeweiligen Fragestellung eine Hilfe bieten.
Wir
sehen keinen Grund, die Fachkompetenz der Gutachter und Gutachterinnen
grundsätzlich in Zweifel zu ziehen.
Die
politische Bewertung ihrer Aussagen im Hinblick auf eine zukunftsweisende
Entscheidung konnten und durften sie uns jedoch nicht abnehmen.
Zunächst
zu Darup:
In
Darup leiden die Anwohner und Anwohnerinnen der B67 unter einer unerträglichen
Verkehrsbelastung. Es
stinkt und es ist laut. Für zu Fuß gehende und Fahrrad fahrende Menschen
ist die Situation lebensgefährlich wegen viel zu schmalen Bürgersteigen,
engen unübersichtlichen Straßenverhältnissen und fehlenden Radwegen;
ein Dorfleben ist nicht möglich. Der weitaus größte Teil des Verkehrs
ist Durchgangsverkehr, für den die Daruper und Daruperinnen nichts können. Dieser Verkehr kann verlagert werden.
Es gibt Menschen, die Nachteile durch die neue Straße haben werden.
Ich denke da an die Männer, Frauen und Kinder in der Gartenstraße;
ich denke da an die Menschen, die zu ihrem Sonntagsspaziergang erst
eine laute, stinkende Straße überqueren müssen, bevor sie
Naherholungsgebiete erreichen, deren Wert durch die neue Straße
sicherlich nicht größer geworden ist.
Der Preis ist hoch.
Aber wir bekommen etwas dafür: Wir
können die alte Dorfstraße für den Durchgangsverkehr sperren und
bekommen einen Ortskern für Darup, in dem sich Fußgänger und
Radfahrerinnen, Kinder und alte Menschen wieder gefahrlos aufhalten können,
in dem die Menschen wieder wohnen und leben können und in dem sich wieder
ein Dorfleben entwickeln kann.
Der
straßenbauinduzierte Verkehr, d.h. der Verkehr, der alleine dadurch
entsteht, daß eine neue Straße gebaut wird, - dieser Verkehr wird gering
sein, da es für die Daruper und Daruperinnen nicht attraktiver wird, das
Auto zu benutzen und sich für den durchfahrenden Lkw-Verkehr nur wenig ändern
wird, da das Problem des Daruper Berges erhalten bleibt.
Jetzt zu Nottuln:
In
Nottuln leiden die Anwohner und Anwohnerinnen der B67 unter einer unerträglichen
Verkehrsbelastung.
Es stinkt und es ist laut. Zu Fuß gehende und Fahrrad fahrende Menschen
leben relativ sicher, solange sie sich auf den vorhanden Fahrradwegen und
Bürgersteigen bewegen und die Straße da überqueren, wo man mit Ampeln
eine Möglichkeit dazu geschaffen hat. Für Fußgängerinnen und
Fahrradfahrer ist diese Straße wohl lästig und unangenehm in Bezug auf Lärm
und Gestank, jedoch nicht wirklich gefährlich. Der weitaus größte
Verkehr ist der hausgemachte Verkehr, den die Nottulner und Nottulnerinnen
selbst verursachen.
Diesen Verkehr wird die Umgehungsstraße nicht aus dem Ort bringen.
Es
gibt Menschen, die Nachteile durch die neue Straße haben werden. Ich denke da an die Männer, Frauen und Kinder im Banjo und im
Vogelbusch; ich denke da an die Menschen, die zu ihrem Sonntagsspaziergang erst
eine laute, stinkende Straße überqueren müssen, bevor sie
Naherholungsgebiete erreichen, deren Wert durch die neue Straße
sicherlich nicht größer geworden ist.
Der Preis ist hoch.
Und wir bekommen wenig dafür. Wir behalten eine vielbefahrene zu hoch
belastete Straße, die Nottuln auch weiterhin zerschneiden wird und die
die Anwohner und Anwohnerinnen auch weiterhin unzumutbar belasten wird; das
Dorfleben wird auch weiterhin nicht an dieser Straße stattfinden.
Der straßenbauinduzierte Verkehr, d.h. der Verkehr, der alleine dadurch
entsteht, daß eine neue Straße gebaut wird, - dieser Verkehr wird enorm
sein, da es für die Nottulner und Nottulnerinnen attraktiver wird, das
Auto zu benutzen und für den durchfahrenden Lkw-Verkehr die letzte Lücke auf der
Rennbahn von Autobahn zu Autobahn geschlossen wird.
Ich
denke, bis hierhin sind wir uns alle einig. Ich habe dazu nie
Gegenargumente gehört.
In
Ihrer Ratsvorlage zu dieser Entscheidung - die im übrigen weder im Inhalt
schlüssig noch in der Formulierung brillant ist, obwohl sie 21 Seiten
umfasst - stellen Sie, Herr Gemeindedirektor, die Frage nach dem Preis,
der zu zahlen ist.
Mindestens
genauso wichtig aber ist unseres Erachtens die Frage nach der Leistung,
die wir aufgrund dieses Preises erhalten werden. Wenn etwas viel bringt,
so bin ich auch bereit, mehr zu bezahlen.
Aber
wer sagt, bei einer Nottulner Nordumgehung stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis,
der betreibt Augenwischerei und der verkauft den Menschen in Nottuln etwas
als Lösung ihrer Probleme, was keine Lösung ist.
Das
ist übrigens etwas, was ich in diesem Rat oft feststelle: In der
Diskussion um die Machbarkeit geht die Frage nach dem Sinn verloren.
Wir
beantragen, für Nottuln und Darup getrennt abzustimmen.
Unser
Beschlußvorschlag lautet:
1.
Wir stimmen einer Verlagerung der Durchgangsstraße in Darup zu.
(Lärmschutz, Ausgleich für Natureingriff,
Freihalten von Übergängen etc. setzen wir
genauso wie den Rückbau der alten Durchgangsstraße als selbstverständlich voraus)
2.
Wir lehnen eine Ortsumgehung für Nottuln ab.
Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Sigrid
Bürger, Fraktionssprecherin |