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Im November 1997 hat der Nottulner Gemeinderat entschieden:  

Nottuln braucht eine Umgehungsstraße! Eine für Darup und eine für Nottuln. Denn die Verkehrsbelastung an den Durchgangsstraßen ist einfach zu hoch und so schaffen wir „einfach“ Abhilfe, indem wir Verkehr an den Orten vorbeiführen.

BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sehen dies etwas differenzierter:


In Darup leiden die Anwohner und Anwohnerinnen der B67 unter einer unerträglichen Verkehrsbelastung - es stinkt und es ist laut.
geplante Süd-Umgehung von DarupFür zu Fuß gehende und Fahrrad fahrende Menschen ist die Situation lebensgefährlich wegen viel zu schmalen Bürgersteigen, engen unübersichtlichen Straßenverhältnissen und fehlenden Radwegen; ein Dorfleben ist nicht möglich.
Der weitaus größte Teil des
Verkehrs ist Durchgangsverkehr, für den die Daruper und Daruperinnen nichts können. Dieser Verkehr kann verlagert werden. 
Es gibt Menschen, die Nachteile durch die neue Straße haben werden: die Männer, Frauen und Kinder der Gartenstraße; die Menschen, die zu ihrem Sonntagsspaziergang erst eine laute, stinkende Straße überqueren müssen, bevor sie Naherholungsgebiete erreichen, deren Wert durch die neue Straße sicherlich nicht größer geworden ist.
Der Preis ist hoch – aber wir bekommen etwas dafür:
Wir können die alte Dorfstraße für den Durchgangsverkehr sperren und bekommen einen Ortskern für Darup, in dem sich Fußgänger und Radfahrerinnen, Kinder und alte Menschen wieder gefahrlos aufhalten können, in dem die Menschen wieder wohnen und leben können und in dem sich wieder ein Dorfleben entwickeln kann.
Der straßenbauinduzierte Verkehr, d.h. der Verkehr, der alleine dadurch entsteht, dass eine neue Straße gebaut wird, - dieser Verkehr wird gering sein, da es für die Daruper und Daruperinnen nicht attraktiver wird, das Auto zu nutzen und sich für den durchfahrenden LKW-Verkehr nur wenig ändern wird, da das Problem des Daruper Berges erhalten bleibt. 
Wir haben für den Bau dieser Daruper Straße gestimmt.
In Nottuln leiden die Anwohner und Anwohnerinnen der B67 unter einer unerträglichen Verkehrsbelastung - es stinkt und es ist laut.
Zu Fuß gehende und Fahrrad fahrende Menschen leben relativ sicher, solange sie sich auf den vorhandenen Fahrradwegen und Bürgersteigen bewegen und die Straße da überqueren, wo man mit Ampeln eine Möglichkeit dazu geschaffen hat. Für Fußgänger und Fahrradfahrerinnen ist diese Straße wohl lästig und unangenehm in Bezug auf Lärm und Gestank, jedoch nicht wirklich gefährlich; das Dorfleben findet nicht an dieser Straße statt.
Der weitaus größte Teil des Verkehrs ist hausgemachter Verkehr, den die Nottulner und Nottulnerinnen selbst verursachen. Diesen Verkehr wird die Umgehungsstraße nicht aus dem Ort bringen.
Es gibt Menschen, die Nachteile durch die neue Straße haben werden: die Männer, Frauen und Kinder im Bagno und im Vogelbusch; die Menschen, die zu ihrem Sonntagsspaziergang erst eine laute, stinkende Straße überqueren müssen, bevor sie Naherholungsgebiete erreichen, deren Wert durch die neue Straße sicherlich nicht größer geworden ist.
Bei der Verwirklichung der Nord-Umgehung würde über dem Einzugsgebiet unseres Wasserwerkes (Wasserschutzgebiet) ein riesiges Brückenbauwerk entstehen. Welche Auswirkungen dies auf die Trinkwasserversorgung von Nottuln haben könnte (Unfälle, allgemeine Verunreinigungen etc.), muss noch untersucht werden. 
Der Preis ist hoch – und wir bekommen wenig dafür:
Wir behalten eine vielbefahrene zu hoch belastete Straße, die Nottuln auch weiterhin zerschneiden wird und die die Anwohner und Anwohnerinnen auch weiterhin unzumutbar belasten wird. Das Dorfleben wird auch weiterhin nicht an dieser Straße stattfinden.
Der straßenbauinduzierte Verkehr, d.h. der Verkehr, der alleine dadurch entsteht, dass eine neue Straße gebaut wird, - dieser Verkehr wird enorm sein, da es für die Nottulner und Nottulnerinnen attraktiver wird, das Auto zu benutzen und für den durchfahrenden LKW-Verkehr die letzte Lücke auf der Rennbahn von Autobahn zu Autobahn geschlossen wird.
Wir haben gegen den Bau dieser Nottulner Umgehungsstraße gestimmt und werden auch in Zukunft jede sich bietende Möglichkeit nutzen, dies deutlich zu machen – noch ist sie nicht gebaut.
 Mit Dank zurück
Die Messung der Ruß- und CO2-Belastung
mit deren alarmierendem Ergebnis ist für uns kein Argument für den Bau der Umgehungsstraße, sondern eines dagegen. Mit dem Bau der Umgehungsstraße nimmt die Belastung ja nicht ab, sondern sie nimmt (aufgrund von mehr Verkehr) zu. Die Schadstoffe werden nur besser verteilt – „alle hätten etwas davon“ könnte man zynisch sagen, aber nichts würde mehr getan werden in Richtung tatsächlicher Schadstoffentlastung, da Messungen positiver ausfallen würden. 

Eine Umgehungsstraße ist keine Lösung, - keine Lösung unserer lokalen Probleme  und schon gar nicht eine Lösung der globalen Probleme, die da heißen Umweltverschmutzung, Ozonloch, Waldsterben, Klimaveränderung etc.
Wollen wir diese Probleme – die lokalen und die globalen – ernsthaft angehen, so hilft uns auf Dauer keine Umgehungsstraße, sondern nur eine Verkehrswende.
Umdenken statt Umfahren.
Wir müssen die nächsten Jahrzehnte besser nutzen, als auf den zweifelhaften Erfolg einer Umgehungsstraße zu warten.

Da ist zunächst einmal der hausgemachte PKW-Verkehr – über 60% des Verkehrs auf der B67.
Hier müssen vor allem die Rahmenbedingungen verändert werden:

  • Die Verkehrsinfrastruktur muss verbessert werden für Fußgänger, für Radfahrer, für Bus- und Bahnbenutzer und  vor allem –benutzerinnen, denn meist sind es ja die Frauen, die ihre Füße, das Fahrrad, den Bus oder die Bahn benutzen – während dem Mann ein Auto zur Verfügung steht.
  • Verkehrspolitik muss sich immer an den Erfordernissen der schwächsten – und umweltfreundlichsten – VerkehrsteilnehmerInnen orientieren. Dies tut sie heute in der Regel  gerade in Nottuln  nicht.

Aber es muss auch ein Umdenken in den Köpfen stattfinden:

  • Es muss in die Köpfe der Menschen, dass man mit dem Fahrrad genauso schnell im Ortskern ist wie mit dem Auto und dort auch viel flexibler agieren kann.
  • Es muss in die Köpfe der Menschen, dass Bus- und Bahnfahren bedeutend entspannender ist als Autofahren und dass auch der Zeitverlust kleiner ist als angenommen, wenn man die verlorene Zeit für Staustehen und Parkplatzsuche und die gewonnene Zeit für das Zeitunglesen im Bus mit einkalkulieren würde.
  • Und nicht zuletzt: Es ist auch möglich, ein paar hundert Meter zu Fuß zu gehen.

Und da ist natürlich noch der LKW-Verkehr, der nicht hausgemacht ist, dafür aber besonders störend. 

  • Es gibt eine Menge LKW-Verkehr, der vermieden werden könnte. Wenn Kartoffeln zum Waschen nach Polen gefahren werde und Joghurt zum Abfüllen nach Portugal, so läuft da was verkehrt. Wenn es für die Industrie billiger ist, halbleere LKWs just-in-time durch ganz Europa fahren zu lassen anstatt für angemessene Lagerhaltung zu sorgen, dann läuft da was verkehrt.
  • Es gibt eine Menge LKW-Verkehr, der auf die Schiene gebracht werden könnte. Wenn – nach Aussage eines Vertreters des Bundesumweltamtes – der LKW-Verkehr jedoch schon alleine durch Nichteinhaltung von gesetzlichen Vorschriften (Gewicht, Geschwindigkeit, Sozialvorschriften) einen Kostenvorsprung gegenüber der Bahn von 25% hat, so läuft da was verkehrt.
  • Und jeder LKW-Verkehr könnte umweltverträglicher werden. Wenn der größte Teil der LKWs als „Stinker“ durchs Land fährt, obwohl es inzwischen ganz andere technische Möglichkeiten gibt, so muss da was geändert werden.

Einige dieser notwendigen Veränderungen sind nur auf EU-Ebene möglich, viele auf Bundesebene, manche auf Länderebene. 
Nur, wenn wir hier auf lokaler Ebene sagen: „Prima, macht weiter so, baut uns eine Umgehungsstraße und wir sind zufrieden!“, dann wird sich gar nichts ändern.

Im Übrigen hat der Gemeinderat beschlossen, in Zusammenarbeit mit den Menschen unserer Gemeinde eine Lokale Agenda 21 zu erstellen. In diesem Prozess soll all unser kommunales Handeln auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit untersucht werden. 
Global denken – lokal handeln heißt hier das Stichwort.

Würden alle Menschen auf dieser Welt so viele Abgase durch Kraftfahrzeugverkehr in die Luft blasen wie wir es tun, hätte die Welt nur noch wenige Monate Luft zum Atmen, dann wäre es aus – auch mit Umgehungsstraße.

 
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