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Westfälische Nachrichten 9. September 2008

Ein Akt der Wirtschaftsförderung
Tourismuskonzept beschlossen / Kontroverse Grundsatzdiskussion

Nottuln. Das neue Tourismuskonzept der Gemeinde Nottuln ist beschlossene Sache. Der Gemeinderat stimmte am Dienstagabend dem 32-Seiten-Papier, das unter anderem die große wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs betont (wir berichteten), einmütig zu. Der einstimmige Beschluss ist vor allem als Akt der Wirtschaftsförderung zu sehen. Denn das Tourismuskonzept ist notwendig, damit die Bezirksregierung der weiteten toüristischen Erschließung am Standort Marienhof ihre Zustimmung gibt. Weil alle Parteien im Rat die geplanten Maßnahmen am Marienhof begrüßen, stimmte man dem Konzept zu - und dies ohne große inhaltliche Diskussion. Die soll nun auf Vorschlag
von Christian Schulze Pellengahr {CDU) im Frühjahr 2009 im Fachausschuss nachgeholt werden - dann auch unter Beteiligung von Gastronomie und anderen Personen aus dem Tourismusbereich. Den Wunsch nach einer breiten Beteiligung der Bürgerschaft hatten zuvor auch schon Hartmut Rulle (CDU) und Wolf Haase (SPD) geäußert.

Äußerst gereizt wurde die Stimmung, als Ratsmitglied Josef Lütkecosmann (CDU) auf seiner Ansicht nach inhaltliche Mängel im Konzept hinwies und Kritik an der Verwaltung übte. Lütkecosmann erinnerte daran, dass der Rat vor drei Jahren die Erstellung eines Leitbildes für die Gemeinde beschlossen habe, wozu auch der Tourismusbereich zähle. Drei Jahre sei nichts passiert. Nun sei ein Konzept ohne Bürgerbeteiligung entstanden, der Situation am Marienhof geschuldet. Viele touristische Maßnahmen und Angebote würden im Konzept nicht erwähnt. "Nottuln besteht nicht nur aus den Baumbergen", mahnte der CDU-Politiker an, die touristischen Beziehungen in Richtung Dülmen nicht zu vernachlässigen. Auch würden im Konzept längst nicht alle Tourismusbetriebe genannt. Fazit: "Das Konzept ist mit heißer Nadel gestrickt worden."

Bürgermeister Peter Amadeus Schneider wies die Kritik vehement zurück und reagierte ausgesprochen sauer. "Ich habe ihnen mehrere Konzepte vorgestellt, wie wir die Leitbilddiskussion durchführen können. Aber sie wollten kein Geld dafür bereitstellen", meinte Schneider. Und: "Ich bin es leid, dass sie immer wieder so tun, als würde die Verwaltung ihre Hausaufgaben nicht machen. Wenn sie mir das Geld geben, wird das auch gemacht." Die CDU habe im übrigen für 2008 keine Mittel beantragt.

"Aber für 2006 und auch für 2007", konterte Lütkecosmarin. Das sei aber leider von der Mehrheit im Rat abgelehnt, worden.

"Ich kann diese Diskussion um das Leitbild nicht mehr hören", reagierte Rolf Schulz (UBG) genervt. Das nun vorliegende Konzept sei ein erster Schritt, außerdem müssten Konzepte auch regelmäßig fortgeschrieben werden.

Stefan Kohaus (Grüne) bezweifelte, das man heute ein fertiges Konzept gehabt hätte, wenn man damals in die Leitbilddiskussion eingestiegen wäre. Wichtig war für den Grünen-Ratsherrn, dass künftig die Rolle der Umgehungsstraße berücksichtigt wird.

Michael Blümer (SPD) erinnerte daran, dass wegen der anfangs errechneten Kosten von rund 80 000 Euro für einen Leitbild-Prozess auch die CDU damals zurückgeschreckt sei. "Wo ist der Antrag, ein Leitbild zum Tourismus zu  erstellen", kritisierte Blümer die CDU und betonte: "Ich habe den Verdacht, sie wollen nur die erste Möglichlichkeit nutzen, um Verwaltungskritik zu äußern."

Fast schon genüsslich las dagegen Lütkocosmann aus der Begründung des seinerzeit eingereichten Leitbildantrages vor, in dem der Tourismus ausdrücklich erwähnt wird. Die Gemeinde müsse darauf achten, dass sie im Tourismüswettbewerb nicht untergehe. Lütkecosmann: "Trotz aller Geme4nsamkeiten stehen wir auch in Konkurrenz zu Billerbeck und Havixbeck."

VON LUDGER WARNKE, NOTTULN

 
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