Westfälische Nachrichten, 18. Februar 2009
Auf die Jugendlichen zugehen
Nottuln - Die Gemeinde Nottuln ist einmal mehr Vorreiter für andere Kommunen. Im Rahmen eines Modellprojektes wird der Verein „Treffpunkt Jugendarbeit in Nottuln“ in den nächsten zwei Jahren die „aufsuchende Jugendarbeit“ (vielfach auch Streetwork genannt) in der Gemeinde intensivieren. Mit zehn Wochenstunden wollen sich die Sozialpädagogen des Treffpunkts der jungen Menschen annehmen, die bislang von den regulären Angeboten der offenen Jugendarbeit nicht erreicht werden. Dafür fallen jährliche Kosten von rund 14000 Euro an.
Das von Tanja George, pädagogische Leiterin beim Treffpunkt, am Dienstagabend vorgestellte Konzept wurde vom Sozialausschuss einmütig begrüßt. Einstimmig fiel daher auch der Beschluss, dass die Gemeinde jährlich 5000 Euro für die „aufsuchende Jugendarbeit“ zur Verfügung stellt. Mit einem gleich großen Betrag will sich der Kreis Coesfeld beteiligen. Michael Werremeier vom Kreisjugendamt sprach von einem „sehr lohnenswerten Projekt“, für das „sehr gute Vorarbeit“ geleistet worden sei. Von den in Nottuln gemachten Erfahrungen sollen nach Ablauf der zwei Jahre auch die anderen Kommunen im Kreis profitieren. Die Kreisverwaltung wird daher der Kreispolitik vorschlagen, sich ebenfalls mit jährlich 5000 Euro zu beteiligen. Die restlichen 4000 Euro wird der Verein Treffpunkt aus Eigenmitteln beisteuern.
Das Modellprojekt ist eine Konsequenz aus den Ergebnissen der Sozialraumanalyse, die der Verein Treffpunkt im Auftrag der Gemeinde erstellt hat. Während zweier Beobachtungsphasen (Oktober-Dezember 2007 und Mai-Juli 2008) haben die Sozialpädagogen des Treffpunkts die Jugendlichen an ihren Treffpunkten in allen Ortsteilen besucht, beobachtet und auch Kontakte hergestellt. Dabei fielen den Sozialpädagogen Fälle von verstärktem und regelmäßigem Alkoholmissbrauch ebenso auf wie Fälle von Vandalismus, Gewaltübergriffen und auch vereinzeltem Drogenkonsum.
Aus den Gesprächen mit den Kindern und Jugendlichen, so Tanja George, kristallisierten sich letztlich drei Wünsche heraus: Die Kinder und Jugendlichen wünschen sich einen „legalen“, von der Öffentlichkeit akzeptierten Treffpunkt, mehr jugendgerechte Lokalitäten (Cafés, Disco, Jugendkneipe) und Möglichkeiten, Sport kostenfrei auf gut ausgestatteten Plätzen ausüben zu können.
Im Rahmen des Modellprojektes sollen nun die Kontakte zu den Sechs- bis 18-Jährigen intensiviert werden. Außerdem plant der Treffpunkt unter anderem Präventionsmaßnahmen, Freizeitangebote und Cliquenarbeit.
VON LUDGER WARNKE
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