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Westfälische Nachrichten, 17. April 2008

Rhodeplatz ist ein Problemfall
Ergebnis der Sozialraumanalyse im Sozialausschuss vorgestellt

Tanja George, Pädagogische Leiterin beim „Treffpunkt“, berichtete über die Ergebnisse der Sozialraumanalyse Nottuln. Tanja George spricht sachlich und unaufgeregt. Und das ist gut so. Denn das, worüber die Pädagogische Leiterin des Vereins „Treffpunkts Jugendarbeit“ am Dienstagabend (15. April) im Sozialausschuss berichtet, hat schon viele Gemüter erhitzt. Jugendliche, die auf Schulhöfen oder in Parks herumlungern, Passanten anmachen oder Illegales tun.


Das Problem ist erkannt. Um zu klären, ob der Einsatz eines Streetworkers sinnvoll ist, haben Kreisjugendamt, Gemeinde und „Treffpunkt“ eine Sozialraumanalyse vereinbart. Tanja George stellte die Ergebnisse der ersten Phase vor. Ihr Fazit: „Wir haben wichtige Erfahrungen gesammelt.“

Diese erste Phase fand zwischen Oktober und Dezember statt. Das Team machte 350 Begehungen in allen Ortsteilen und traf bei 47 Kontakten 280 Kinder und Jugendliche an. „Gruppen von zwei bis 15 Leute, deren Mitglieder in der Regel im Alter ab zwölf Jahren sind“, wie Tanja George berichtet. Zum Teil seien das lose Zusammenkünfte gewesen, zum Teil aber auch Treffen fester Cliquen. „Alle suchten Plätze, wo keine Erwachsenen sind“, sagt George. „Wir sind aber überall sehr freundlich aufgenommen worden.“

Negativbeispiel ist der Rhodeplatz: Im Bereich zwischen Bushaltestelle und Park hat das Team vom „Treffpunkt“ junge Erwachsene angetroffen, selten unter 18 Jahren. Leider, so George, seien auch Erwachsene darunter gewesen und werde viel Alkohol konsumiert. Vor Ort habe man viele Beschwerden von Bürgern gehört, auch die Polizei tauche dort gelegentlich auf. Den Versuch, mit den jungen Erwachsenen ins Gespräch zu kommen, habe man abbrechen müssen, weil diese zu alkoholisiert gewesen seien.

Am Rhodeplatz habe man viele Russlanddeutsche angetroffen, die zum Teil früher auch Gäste im Jugendheim waren, eine Integration – so wisse man – sei sehr schwierig. Ein Streetworker allein könne da kaum etwas ausrichten, er könne aber Kontakte herstellen. Im speziellen Fall Rhodeplatz könne zum Beispiel der Awo-Migrationsdienst helfen.

„Eigentlich sehr ruhig“ sei es im Bereich Schulhöfe/Jugendherberge in Nottuln gewesen, Illegales war nicht auszumachen, als die Fachleute vorbeikamen. Am Gymnasium seien allerdings Jugendliche unter 16 Jahren mit Alkohol angetroffen worden.

Als positives Beispiel dafür, dass mobile beziehungsweise aufsuchende Jugendarbeit funktionieren kann, nannte Tanja George Appelhülsen: Hier habe man hinter dem Friedenshaus leere Deo-Dosen gefunden. Was für manchen nur ärgerlicher Müll gewesen wäre, war für die Fachleute Indiz für Drogenkonsum. Hier hat eine Gruppe geschnüffelt, das Gas aus den Dosen inhaliert, um in Rausch zu kommen. Das „Treffpunkt“-Team reagierte schnell und gezielt, organisierte einen Infoabend mit der Caritas (wir berichteten), sensibilisierte Jugendliche, Eltern und Schule für das Problem.

„Sehr, sehr ruhig“, sei es in Darup und Schapdetten gewesen. Was aber wohl auch am Untersuchungszeitraum in den dunklen Monaten lag.

„Obwohl das Team in der Jahreszeit unterwegs war, in der draußen weniger los ist, sind schon aussagekräftige Ergebnisse gesammelt worden“, freute sich Beigeordneter Klaus Fallberg über die erste Phase der Sozialraumanalyse. Zwingend notwendig sei aber eine zweite Phase, diese soll von Mai bis Juni (mit der ersten Ferienwoche) stattfinden.

Die Kosten von 2000 Euro teilen sich Kreis und Gemeinde, der „Treffpunkt“ steuert seine Arbeit bei. Wenn der Bedarf für mobile Jugendarbeit erkannt und benannt ist, werde man sehen, ob man eigene Ressourcen oder zusätzliche Kräfte einsetzen könne, erklärte Kreisjugendpfleger Michael Werremeier.

VON FRANK VOGEL

 
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