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Bürgermeisters Peter
A. Schneider:
Zum
Haushalt des Wirtschaftsjahres 2006
Sehr
geehrte Damen und Herren,
nun
liegt der Entwurf des diesjährigen Wirtschaftsplanes vor Ihnen. Es
ist das zweite Planwerk, das nicht mehr in kameraler Struktur,
sondern nach dem System der Doppik erstellt wurde.
Weiterhin
gilt: die Entscheidung, sich in Nottuln frühzeitig dieser
Revolution im öffentlichen Finanzwesen zu stellen, war weitsichtig.
Es gibt keine Alternative. Einzig wäre am Rand anzumerken, dass es
für den Staat und für seine Bürgerinnen und Bürger besser
gewesen wäre, man hätte sich schon vor 30 Jahren, zur Zeit des
relativen Wohlstands der öffentlichen Hand, dieser Herausforderung
gestellt.
Ursprünglich
war geplant, die Einbringung, Diskussion und Beschlussfassung
bereits im Jahr 2005 durchzuführen. Das Fehlen jeglicher
Orientierungswerte, insbesondere bei maßgeblichen Haltshaltsansätzen,
hätte ein derartiges Vorgehen sinnlos gemacht. So sind wir erst im
ersten Quartal 2006 in der Lage, Ihnen einigermaßen mit
Argumentationen zu untermauernde Werte vorzulegen.
Diese
Werte wiederum sind alles Andere als erfreulich. Kein Kämmerer oder
Bürgermeister schlägt gern Abgabenerhöhungen vor – kein
Ratsmitglied wird dem leichtfertig zustimmen. Aber immerhin haben
wir es hier wenigstens noch mit Stellschrauben zu tun, deren Betätigung
der Beschlussfassung des Rates unterliegt.
Die
kommunale Handlungsfreiheit genießt in der Verfassung und in der
gesellschaftlichen Ordnung einen hohen Rang. In krassem Gegensatz
dazu steht der unvermeidliche Eindruck, dass sowohl hinsichtlich der
Einnahmen als auch hinsichtlich der Ausgaben das kommunale
Wirtschaftswesen in so großem Maß der Fremdbestimmung unterworfen
ist, dass von einer Handlungsfreiheit eigentlich nicht mehr die Rede
sein kann.
Ich
erinnere in diesem Zusammenhang an die erheblich gestiegenen
Aufwendungen für Transferleistungen – hier durften die Kommunen
etwas anderes erwarten.
Ich
verkenne durchaus nicht, dass die Sparbemühungen des Bundes und des
Landes auch in unser aller unmittelbarem Interesse liegt. Wenn aber
Zuwendungen dramatisch gekürzt werden, ohne dass gleichzeitig der
Anforderungskatalog auf den Prüfstand gestellt wird, dann wird das
Konnexitätsprinzip verletzt.
Wie
in meiner Haushaltsrede 2005 formuliere ich: es bleibt weiterhin die
Forderung nach einer Gemeindefinanzreform - ebenso gebetsmühlenartig,
wie ohne reale Aussicht auf Verwirklichung
Die
Kommunen haben durch Leistungskritik, Strukturreformen und
Personalmaßnahmen bereits in den vergangenen Jahren erhebliche
Sparbeiträge geleistet. Gerade die Gemeinde Nottuln ist
beispielhaft für Einschnitte, die zu Recht das Wort schmerzhaft
vertragen. Erst der jüngste Prüfungsbericht der Gemeindeprüfungsanstalt
hat verdeutlicht, welch hohe Leistung die Gemeindeverwaltung mit
einer im kommunalen Vergleich ungewöhnlich niedrigen
Personalausstattung erbringt. Sollen wir darauf wirklich stolz sein
müssen?
Ich
bin insbesondere erschüttert, - so sehr, dass ich es in diesen Ausführungen
nicht verschweigen möchte -, mit welcher Leichtfertigkeit sich
andere Ebenen aus dem Geldbeutel der Städte und Gemeinde bedienen.
Die
Gemeinde Nottuln wird im Wirtschaftsjahr 2006 nicht verpflichtet
sein, ein Haushaltssicherungskonzept aufzustellen. Diese Tatsache
ist in erster Linie den intensiven Bemühungen des Kämmerers der
Gemeinde Nottuln zu verdanken, der in zahlreichen Sitzungen, die
nicht umsonst im Jargon den Begriff „Fegefeuer“ tragen, die
Werte soweit zusammenführen konnte, dass uns der Schrecken des
Haushaltssicherungskonzeptes erspart bleibt.
Gleichzeitig
sind mehrere Städte und Gemeinden im Landkreis Coesfeld nicht in
dieser glücklichen Lage. Ohne Überheblichkeit sehe ich Kollegen
von mir, die noch nicht einmal einen mit Haushaltssicherungskonzept
genehmigungsfähigen Haushalt vorlegen können.
Der
Kreis als Kommunalaufsicht hat ein ganzes Register an Maßnahmen,
die er derart betroffenen Städten und Gemeinden auferlegt. In einem
umfangreichen Papier zur
„Sicherung der finanziellen Eigenständigkeit der Gemeinde
Nottuln“, welches der Kämmerer am Anfang des Monats vorgelegt
hat, unterwirft sich die Gemeinde Nottuln freiwillig den strengen
Richtlinien. Um so unverständlicher ist es für mich, dass der
Kreis selbst an sich diesen strengen Maßstäben zu orientieren
nicht bereit ist. Abgeordnete des Kreisträgers reagieren mit Häme
und Ironie auf die Hinweise der Bürgermeisterkonferenz; größere
sechsstellige Beträge werden als „peanuts“ bezeichnet – Sie
alle hier wissen noch, welche Person in welcher Situation diesen
Begriff gesellschaftsfähig gemacht hat. Früher war es der
Kreistag, welcher dem Landrat das Sparen auferlegte – heute will
der Landrat sparen, und die Politik sattelt drauf: verkehrte Welt.
Meine
Damen und Herren, Sie werden sich in den kommenden Wochen intensiv
mit dem Entwurf auseinandersetzen. Nach den Erfahrungen des
vergangenen Jahres und auch nach Ihren Vorbemerkungen habe ich überhaupt
keinen Zweifel, dass Sie mit großer Verantwortung sich dieser
Aufgabe annehmen werden. Es ist mein Wunsch, dass wir in kollegialer
Kooperation zu einem Ergebnis kommen, welches zu einem Haushaltsplan
führt, in dem Sie alle sich wiederfinden können.
Der
Haushalt ist geprägt durch eine umfangreiche Streichliste, die zur
Vermeidung des Haushaltssicherungskonzeptes aufgestellt wurde. Kämmerer
und Bürgermeister sind der Ansicht, dass die gemeinsame positive
Entwicklung einer Prioritätenliste weit eher der konstruktiven
Aufgabe des Gemeindeparlaments entspricht als das in der Öffentlichkeit
negativ vermerkte, kürzende Nacharbeiten einer Verwaltungsvorlage.
Nehmen Sie diesen Arbeitsansatz als Zeichen für den Wunsch nach
konstruktiver Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung.
An
dieser Stelle trennen sich auch für einen Moment die Rollen von Bürgermeister
und Kämmerer. Damit kein Missverständnis aufkommt: ich stehe ohne
jede Einschränkung hinter diesem Entwurfswerk meines Hauses. Jedoch
habe ich als Bürgermeister dieser Gemeinde nicht die Neigung, mich
hinter den schmerzhaften Beschlüssen des Rates zu verstecken –
vor einem politischen Votum werde ich mich nicht drücken, ohne
Ihrer Entscheidung vorgreifen zu wollen.
Die
Hochsprunglatte des Damoklesschwertes
„Haushaltssicherungskonzept“ darf keinesfalls gerissen werden.
Ich
rufe Sie aber auf, in besonderem Maß bei Ihren Beratungen die
folgenden Punkte zu berücksichtigen:
- Unsere Kinder und unsere Jugendlichen sind der größte
Schatz, über den wir verfügen. Lassen Sie uns nichts beschließen,
was zu einem Schaden der nachfolgenden Generation führt.
- Lassen Sie uns klug investieren. Kluge Investitionen stärken
unsere heimische Wirtschaft. Kluge Investitionen helfen gerade in
Zeiten leerer Kassen durch ihre antizyklische Wirkung zu einem
Aufbau. Eine selbstverschuldete Stagnation wäre fatal.
- Unsere Region ist vor kurzer Zeit knapp von einem Großschadensereignis
verschont worden – lassen Sie uns nichts beschließen, was wir
vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt teuer bezahlen müssen.
- Zuwendungen mit Katalysator-Wirkung (kleine Beträge – große
Wirkungen) sind vor einer endgültigen Streichung einer sorgfältigen
Prüfung zu unterziehen.
Meine
Damen und Herren, die Haushaltsberatungen waren wohl noch nie
einfach. Und in jedem Jahr sagt man „so schwer wie dieses Jahr war
es noch nie“. Wir haben zwei Vorteile gegenüber den Vorjahren:
- Das kaufmännische Wirken schafft zwar nicht unmittelbar mehr
Geld in die Kassen – es zeigt aber klarer die Risiken und die
gangbaren Wege.
- Das optimistische Klima sollte auch uns erleichtern, gerade
bei der schwierigen Haushaltslage mit Zuversicht unsere Aufgaben
anzugehen.
Das
vor Ihnen liegende Planwerk wurde in einem immensen Arbeits- und
Beratungsaufwand zusammengestellt. Auch wenn es schon der zweite
doppische Haushalt ist, so ist dennoch immer noch vieles neu. Die
Kolleginnen und Kollegen in der Kämmerei haben sich mit dieser
Aufgabe identifiziert, weil sie sich mit unserer Gemeinde Nottuln
identifizieren.
Mit
Geduld und Ausdauer auf der einen Seite, mit Verständnis und der
Bereitschaft zur Lösungssuche auf der anderen Seite, haben die
Kolleginnen und Kollegen in der Kämmerei und die Kolleginnen und
Kollegen der einzelnen Fachbereiche diesen Entwurf entwickelt.
Mein
besonderer Dank gilt der Leiterin des Fachbereiches 1, Frau Block.
Ihr Fachbereich hat maßgeblich dieses Werk erstellt. Bitte geben
Sie meinen Dank auch an Ihre Kolleginnen und Kollegen weiter.
Mein
besonderer und persönlicher Dank gilt dem Kämmerer der Gemeinde
Nottuln, Herrn Beigeordneten Klaus Fallberg. Der Haushalt, den Sie
in Händen halten, ist von großem Verantwortungsbewusstsein und von
großer Weitsicht geprägt. Herr Fallberg hat es nicht nur vermocht,
diesen Entwurf in seiner Obhut zu erstellen, es ist ihm auch
gelungen, die daran beteiligten Kolleginnen und Kollegen zu einem
großen Engagement in dieser Sache zu motivieren. Herr Fallberg, ich
danke Ihnen für diesen Einsatz! Dass Sie neben der Fachkompetenz
auch über ein großes Maß an fachlicher Kreativität verfügen:
davon werden wir heute Abend wohl noch etwas erfahren.
Meine
Damen und Herren im Rat der Gemeinde Nottuln, ich danke Ihnen für
das Zuhören – lassen Sie uns gemeinsam die Probleme angehen;
gemeinsam werden wir die Aufgaben auch bewältigen. |