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16. Februar 2006, Westfälische Nachrichten
Etat ganz ohne Zahlen eingebracht
Kommt Nottuln an der Haushaltssicherung vorbei?
Von Ludger Warnke
Nottuln. Kurioses Novum in der Nottulner Ratsgeschichte: Da bringen
Bürgermeister und Kämmerer am Dienstagabend im Rat den Entwurf des
Gemeindehaushalts 2006 ein, ohne auch nur eine einzige Zahl zu
nennen. Schneider und Fallberg konnten auch gut auf jegliche
Zahlendarstellung verzichten, schließlich wurde die Politik seit
Monaten auf die unangenehmen Haushaltsberatungen eingeschworen. Noch
vor zwei Wochen hatte die Verwaltung im Haupt- und Finanzausschuss
die finanziellen Eckdaten vorgestellt, die sich bis Dienstagabend
nur wenig verändert haben. Trotz geplanter Steueranhebungen und Kürzungen
aller Investitionen und Zuschüsse auf Null steht unter dem Strich
ein Defizit von rund 3,5 Millionen Euro, das die Gemeinde nur durch
einen Griff in die Rücklagen ausgleichen kann.
Jetzt liegt der Etatentwurf 2006, immerhin knapp 800 Seiten stark,
den Kommunalpolitikern vor. Wesentlicher Diskussionspunkt in den
kommenden Wochen wird die Ausgabenseite sein. Dass alle Zuschüsse
von heute auf morgen völlig gestrichen werden, ist
unwahrscheinlich. Bürgermeister Schneider selbst hat bereits öffentlich
signalisiert, dass er zum Beispiel den Zuschuss für die offene
Jugendarbeit, immerhin rund 144000 Euro, für unverzichtbar hält.
Wie viel finanziellen Spielraum hat die Gemeinde? Die Rede ist
davon, dass Nottuln, solange das Defizit die
Vier-Millionen-Euro-Marke nicht übersteigt, an einem
Haushaltssicherungskonzept in diesem Jahr noch einmal vorbeikäme.
Damit hätte man Luft gewonnen, zumindest für ein weiteres Jahr die
Jugendarbeit in den Vereinen zu unterstützen, bevor 2007 dann eine
Null-Lösung greift.
Doch es geht in den Etatberatungen nicht nur um Zuschüsse. Für den
Sportverein Arminia genauso spannend ist die Frage, ob das
Sporthallen-Neubauprojekt noch eine Chance hat. Und Daruper und
Schapdettener mahnen die Realisierung der Hochwasserschutzkonzepte
an.
Für die Haushaltsberatungen wollen sich die Ratsfraktionen Zeit
nehmen. Nach derzeitigem Stand soll erst im Mai endgültig über den
Etat 2006 abgestimmt werden. |
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Stagnation wäre fatal
-luw- Nottuln. Bürgermeister Peter
Amadeus Schneider hat in seiner Rede zur Einbringung des
Gemeindehaushalts 2006 das Finanzgebaren der Kreispolitik deutlich
kritisiert. Schneider verwies darauf, dass die Gemeinde sich
freiwillig den strengen Richtlinien für eine Haushaltssicherung
unterwerfe. Umso unverständlicher ist es für mich, dass der Kreis
selbst sich an diesen strengen Maßstäben zu orientieren nicht
bereit ist. Abgeordnete des Kreistages reagieren mit Häme und
Ironie auf die Hinweise der Bürgermeisterkonferenz. Größere
sechsstellige Beträge werden als Peanuts bezeichnet. Früher war es
der Kreistag, welcher dem Landrat das Sparen auferlegte. Heute will
der Landrat sparen, und die Politik sattelt drauf: verkehrte Welt.
Schneider bot den Ratsmitgliedern für die Haushaltsberatungen eine
kollegiale Zusammenarbeit an. Die Hochsprunglatte des
Damoklesschwertes Haushaltssicherungskonzept darf keinesfalls
gerissen werden, gab er das Ziel vor. Zugleich bat er den Rat um
Beachtung folgender vier Punkte:
1. Kinder und Jugendliche seien der größte Schatz, über den man
verfüge. Lassen Sie uns nichts beschließen, was zu einem Schaden
der nachfolgenden Generation führt.
2. Kluge Investitionen stärkten die heimische Wirtschaft und würden
gerade in Zeiten leerer Kassen durch ihre antizyklische Wirkung zu
einem Aufbau helfen. Eine selbst verschuldete Stagnation wäre
fatal.
3. Die Region sei vor kurzem knapp von einem Großschadensereignis
verschont geblieben. Schneider: Lassen Sie uns nichts beschließen,
was wir vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt teuer bezahlen müssen.
4. Zuwendungen mit Katalysator-Wirkung, das sind kleine Beträge mit
großen Wirkungen, sind vor einer endgültigen Streichung einer
sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. |
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Strukturen aufbrechen
-luw- Nottuln. Beigeordneter und Kämmerer
Klaus Fallberg hat in seiner Etatrede im Rat die Notwendigkeit eines
radikalen Kurswechsels in der Gemeindepolitik beschworen. Der Weg
der schrittweisen Steuererhöhungen, des scheibchenweisen
Beschneidens der freiwilligen Zuschüsse und das Herumdoktern an
gemeindlichen Standards bringe die Gemeinde nicht einen Schritt
weiter. Was wir brauchen, ist ein gemeinsamer Kraftakt, um alte
Strukturen aufzubrechen, ohne jegliches Tabu, erklärte Fallberg.
Vor einer sehr aufmerksam zuhörenden Ratsrunde mahnte der
Beigeordnete Innovation und moderne Betriebsformen an. Veränderungen,
die im Wesentlichen auch die Gemeindeverwaltung selbst betreffen.
Fallberg sieht die Verwaltung der Zukunft mehr als bisher unter
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Alle Aufgaben und
Arbeitsschritte, die nicht im unmittelbaren Kontakt mit dem Bürger
erledigt werden müssen, kommen für eine interkommunale Kooperation
in Betracht. Nicht jede Kommune müsse eine eigene Finanzabteilung
haben. Aufgaben wie Wasserversorgung oder Straßenunterhaltung
sollten außerhalb des Gemeindehaushaltes in einer modernen, mit
Steuervorteilen verbundenen Betriebsform gebündelt werden.
Für den Bereich der freiwilligen Aufgaben in Kultur, Sport,
Freizeit oder Bildung gelte es, die Prioritäten zu definieren und
die Art der Finanzierung neu zu entwickeln. Konkret nannte Fallberg
die Möglichkeit der Bürgerstiftung ein hochinteressantes
Finanzierungsmodell: Bürger beteiligen sich finanziell an einer Bürgerstiftung.
Die Erträge fließen jeweils zu einem Drittel in die Arbeit der
Stiftung, in die Erhöhung des Stiftungsvermögens und als
Versorgungsleistung auch an die Stifter zurück. Das sollten wir
intensiv miteinander diskutieren. |
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