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Fotovoltaik: Nottuln ein Vorbild für andere Kommunen

Strahlender Sonnenschein und Oktober-Blüten – Bilderbuchwetter herrschte bei der Einweihung des Fotovoltaik-Parks in Appelhülsen.
Strahlender Sonnenschein und Oktober-Blüten – Bilderbuchwetter herrschte bei der Einweihung des Fotovoltaik-Parks in Appelhülsen.
(Foto: Dieter Klein)

Nottuln - Es war ein besonderes Ereignis, und deshalb waren Günter Bendig und Horst Scheipers auch nicht mit leeren Händen gekommen. Die beiden Appelhülsener Urgesteine hatten Fotoapparat und Videokamera mitgebracht, um das Geschehen für die Nachwelt festzuhalten. Denn so schnell wird es nicht noch einmal passieren, dass in Appelhülsen die größte Freiflächen-Fotovoltaikanlage Nordrhein-Westfalens in Betrieb geht.
Gestern Nachmittag war es soweit: Das mit Bank- und Bürgerkrediten finanzierte 4,2 Millionen Euro teure Projekt wurde offiziell eingeweiht. Die 16 632 installierten Solarmodule funkelten und blitzten in der strahlenden Oktobersonne. Schwarze Diamanten mit einer Gesamtleistung von 1,2 Megawatt.

Aber einer strahlte noch mehr: Bürgermeister Peter Amadeus Schneider. Selten waren ihm Freude und Stolz so deutlich anzusehen wie gestern. Aus seinen Gefühlen machte der Bürgermeister keinen Hehl. Wie ein Kind, das zu Weihnachten beschenkt worden sei, fühle er große Freude und Dankbarkeit, weil letztlich alles termingerecht erledigt worden sei. „Ich bin aber auch stolz, dass die kleine Perle Nottuln mit so einem Projekt überregional auf sich aufmerksam machen kann.“

Symbolischer Knopfdruck (v.l.): Staatssekretärin Astrid Klug, Vorstandsmitglied Ralph Schneider, Staatssekretär Dr. Alexander Schink und Bürgermeister Peter Amadeus Schneider.
Symbolischer Knopfdruck (v.l.): Staatssekretärin Astrid Klug, Vorstandsmitglied Ralph Schneider, Staatssekretär Dr. Alexander Schink und Bürgermeister Peter Amadeus Schneider.

Der Bürgermeister sprach von einem richtungsweisenden Projekt für Nordrhein-Westfalen, von einem Projekt, das in den Wirtschaftsraum Coesfeld passe, von einem Projekt, das die Innovationskraft der Gemeinde beweise. Nottuln, bislang in der Solar-Landesliga auf Platz 12, werde man nun wohl in der Solar-Bundesliga entdecken. Schneider vergaß nicht, den beteiligten Behörden, der Arbeitsgruppe im eigenen Haus („Ich bin stolz auf diese Mitarbeiter“) sowie den anderen Projektbeteiligten zu danken.

„Wir brauchen die Kommunen als Vorreiter für erneuerbare Energien“, sagte Astrid Klug, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Die Gemeinde Nottuln stehe mit diesem Projekt an der Spitze der Kommunen, die verantwortungsvoll in eine klimafreundliche Zukunft investierten. Als Vertreterin des Bundes hob Astrid Klug – natürlich – das Erneuerbare-Energien-Einspeisegesetz hervor, von dem auch Nottuln profitiere. Die darin festgelegte Erlösgarantie für den eingespeisten Strom macht Solarinvestitionen wirtschaftlich. 250 000 Arbeitsplätze seien dadurch in der Solarbranche entstanden, betonte Astrid Klug.

Dr. Alexander Schink, Staatssekretär im NRW-Umweltministerium, bescheinigte der Gemeinde ein beispielhaftes Verhalten. Die Gemeinde werde ihrer Verantwortung für den Klimaschutz und den Einsatz erneuerbarer Energien vorbildlich gerecht. „Ich kann alle nur beglückwünschen, die dies beschlossen haben. Das ist nicht selbstverständlich.“

Schink sprach aber auch den Flächenverbrauch an, der in der Umweltpolitik ein wichtiges Thema sei. Wenn eine landwirtschaftliche Fläche wie in Appelhülsen umgewidmet werde in eine Fläche für eine Fotovoltaikanlage, gebe es einen natürlichen Konflikt. Den habe die Gemeinde aber sehr verantwortlich gelöst.

Dass die Münsterland-Gemeinde Nottuln nun in einer Reihe mit Referenzobjekten in Spanien, Italien oder Griechenland steht, machte Ralph Schneider vom Vorstand der bauausführenden Phoenix Solar AG deutlich. Der Klimawandel könne von niemanden mehr ignoriert werden. Kommunale Projekte seien deshalb eine wichtige Voraussetzung, um die klimafreundliche Fotovoltaik in das Bewusstsein der Menschen zu bringen, lobte Ralph Schneider die Gemeinde für ihre Initiative. „Ich wünsche der Gemeinde mindestens 20 sonnige Jahre und ab und zu ein bisschen Regen, damit der Staub von den Modulen gewaschen wird.“

Und während in lockerer Runde bei Getränken und deftiger DRK-Erbsensuppe weiter auf das Projekt angestoßen wurde, waren am anderen Ende des Geländes noch Arbeiter damit beschäftigt, die letzten Meter Zaun zu montieren. Denn 20 Jahre soll der Fotovoltaik-Park mindestens halten. Mal abwarten, ob dann auch noch die digitalen Film- und Fotoaufnahmen von Günter Bendig und Horst Scheipers zu gebrauchen sind.

VON LUDGER WARNKE, NOTTULN

 
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