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Einstimmig beschlossen in der Rats-Sitzung am 4. Oktober 2007:

Beschluss:

  • Auf dem aus Anlage 2 ersichtlichen Grundstück mit einer Größe von bis zu 12 ha soll im Jahr 2008 eine Photovoltaik-Anlage mit einer Nennleistung von bis zu 2,5 MW errichtet werden, wenn der Betrieb der Anlage wirtschaftlich dargestellt werden kann.
  • Die Verwaltung wird beauftragt, entsprechende Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu erstellen bzw. erstellen zu lassen und dem Rat vorzulegen.
  • Für den in Anlage 2 gekennzeichneten Bereich des Flächennutzungsplanes wird das 61. Änderungsverfahren des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Nottuln durchgeführt.
  • Für die geplante Flächennutzungsplanänderung aus Beschluss 3 von der Darstellung „Öffentliche Grünfläche mit Zweckbestimmung Sport“ zu „Sondergebiet Photovoltaikpark“ wird gem. § 24 Abs. 2 Landesplanungsgesetz ein Zielabweichungsverfahren beantragt.
  • Für den in Anlage 2 gekennzeichneten Bereich wird der Bebauungsplan Nr. 114 „Sondergebiet Photovoltaik Appelhülsen“ durchgeführt.

Anlage 2: die Fotovoltaikanlage soll innerhalb der gelb gekennzeichneten Fläche entstehen

Fotovoltaik

Westfälische Nachrichten - 2. Oktober 2007

„Drücken Sie uns die Daumen“

Appelhülsen. Sachlich und konstruktiv verlief die Diskussion um den geplanten Fotovoltaik-Park in Appelhülsen am Montagabend (1. Oktober) - und das sowohl in der Bürgerinformation als auch in der anschließenden Sitzung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, der einstimmig beschloss, das Projekt weiterzuverfolgen. Zunächst stellte Bürgermeister Peter Amadeus Schneider den Bürgern, die in großer Zahl ins Bürgerzentrum gekommen waren, den Sachstand vor.

Aus der anfänglichen Frage, ob ein Fotovoltaik-Park eine Perspektive für Appelhülsen biete, sei aus seiner Sicht inzwischen eine positive Aussage geworden: „Fotovoltaik ist eine Perspektive für Appelhülsen und damit auch für die ganze Gemeinde Nottuln.“ Auf der anderen Seite betonte der Bürgermeister, dass das Projekt nur dann weiterentwickelt werde, wenn es wirtschaftlich ist: „Die Anlage wird nur errichtet, wenn ein Ertrag aus dem Betrieb der Anlage gesichert ist!“

So weit ist die Verwaltung allerdings noch nicht. Positiv festhalten könne man, so Schneider, dass die Lage der Anlage auf der Lankers-Fläche optimal sei, eine Beeinträchtigung für die Bürger nicht entstehe. Außerdem habe die RWE inzwischen auch schriftlich mitgeteilt, dass sie den Strom in ihr Netz einspeisen werde. Um das Projekt baurechtlich voranzubringen, sei der schnellstmögliche Weg ein Zielabweichungsverfahren, um den Flächennutzungsplan auf die neue Nutzung umzuwidmen. Risiko: Bei diesem Verfahren sei Einstimmigkeit der beteiligten Behörden notwendig. Die Verwaltung habe aber einerseits die Unterstützung der Bezirksregierung, andererseits schon bei den Behörden vorgesprochen: „Wir sind guter Hoffnung, dass wir von da keinen Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommen.“

Trotzdem gebe es noch Unwägbarkeiten: Noch liege die für die Wirtschaftlichkeit entscheidende Einspeisevergütung für 2008 nicht endgültig fest, also das Geld, das die Gemeinde für 20 Jahre garantiert für ihren Strom bekommt. Und natürlich seien die Kreditkonditionen zurzeit noch nicht sicher, was bei einer Investitionssumme von 4 bis 5 Millionen Euro eine wesentliche Frage ist.

Beide Aspekte erfordern eines: Eile. Denn, so Schneider, „der Kreditmarkt wird in Zukunft bestimmt nicht günstiger.“ Und eine Einspeisevergütung, die in 2009 wieder deutlich abgesenkt wird, mache das Projekt für die Gemeinde wirtschaftlich nicht mehr darstellbar.

Deshalb müsse es gelingen, noch in 2008 zu bauen und den ersten Strom einzuspeisen. Dazu muss als erstes der Ratsbeschluss am Donnerstag (4. Oktober) her (und der Ratsbeschluss kam natürlich genauso einstimmig, Anm. der Webmasterin), dann das Zielabweichungsverfahren mit Beschluss des Regionalrates im Dezember durchgehen, das weitere Planverfahren und dann die Ausschreibung folgen. „Wenn wir am 31. Dezember den ersten Strom übergeben, haben wir gewonnen. Drücken Sie uns die Daumen.“

VON FRANK VOGEL

Westfälische Nachrichten - 26. September 2007

„Fotovoltaik-Park lohnt sich“

Diplom-Ingenieur Christof Kattenbeck, Diplom-Ingenieur Rainer van Loon, Beigeordneter Klaus Fallberg und Georg Weiss von der Gemeindeverwaltung (v. l.).
Diplom-Ingenieur Christof Kattenbeck, Diplom-Ingenieur Rainer van Loon, Beigeordneter Klaus Fallberg und Georg Weiss von der Gemeindeverwaltung (v. l.). (Foto: Frank Vogel)

Nottuln. „Die Ausbeute ist in Ordnung, eine Projektierung ist plausibel.“ Diplom-Ingenieur Rainer van Loon bestätigte mit seiner Bewertung die Ansicht der Gemeindeverwaltung, dass es sich lohnt, einen Fotovoltaik-Park in Appelhülsen einzurichten. Der Energieberater war gestern nach Nottuln gekommen, um die bisher zusammengetragenen Berechnungen und Planungen der von der Gemeinde eingerichteten Arbeitsgruppe unter die Lupe zu nehmen, seine Bewertung abzugeben, aber auch um Informationen und Tipps zu geben.

„Wir hatten bereits im Mai Kontakt zur Energieagentur“, erklärte Georg Weiss von der Arbeitsgruppe. Um den aktuellen Besuch habe er aber auf Anregung der CDU-Fraktion sehr kurzfristig gebeten, ergänzte Beigeordneter Klaus Fallberg. „Und wir sind dankbar, dass die Agentur so schnell reagiert hat.“

Rainer van Loon hatte die Unterlagen – zu denen unter anderem zwei unabhängig voneinander erstellte Wirtschaftlichkeitsberechnungen zählen – vorgelegt bekommen. Und sein Urteil ist durchweg positiv. Natürlich könne man kein genaues Datum nennen, die Amortisierung sei aber sicher mittelfristig zu erwarten. Günstige Voraussetzungen dafür böten auch die sinkenden Preise für Fotovoltaik-Anlagen. Auch dass man im Vorfeld die Zustimmung zur Einspeisung des Stroms von der RWE bekommen habe, sei positiv zu bewerten. Zwar sei der Energieversorger verpflichtet, den Strom abzunehmen, aber wenn man Einvernehmen erzielt hat, sei das immer günstiger.

Der Fachmann der Energieagentur mit Sitz in Wuppertal stellte außerdem fest, dass die Arbeitsgruppe vorsichtig hatte rechnen lassen. Bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen hatte sie vorgegeben, dass pro Kilowattpeak Nennleistung 900 Kilowattstunden „geerntet“ werden können. Zum Vergleich: 2006 erreichten die bereits vorhandenen Anlagen in Nottuln 997 Kwh pro Kwp Nennleistung, in diesem – schlechteren – Jahr werden es rund 950 Kwh sein.

Die Vorteile, die die Fotovoltaik für die Umwelt hat, seien hinlänglich bekannt, meinte Rainer van Loon. Rechtliche Schwierigkeiten sehe er nicht. Etwaige planerische Probleme könne die Gemeinde selbst in den Griff bekommen. Der Rückbau könne vertraglich festgelegt werden. Eine Störung für die Bürger gehe von der Anlage nicht aus. Wenn Bürger dennoch Bedenken hätten, dann werde die Gemeinde diese sicher ausräumen, meinte van Loom. „Die Gemeinde macht das schließlich für ihre Bürger.“

VON FRANK VOGEL

Westfälische Nachrichten - 29. September 2007

Naturstrom für 270 Haushalte
Informationen zum geplanten Fotovoltaik-Park

Der Plan zeigt die Lankersfläche. Das Dreieck zwischen Roggenbach, Autobahn und L551 (Münsterstraße) soll für den Fotovoltaik-Park ausgewiesen werden. Bebaut werden wird wahrscheinlich aber nur der Teil zwischen A43, Roggenbach und dem quer verlaufenden Graben. Mit 305 und 240 Metern sind die Abstände zu den ersten Häusern bezeichnet.
Der Plan zeigt die Lankersfläche. Das Dreieck zwischen Roggenbach, Autobahn und L551 (Münsterstraße) soll für den Fotovoltaik-Park ausgewiesen werden. Bebaut werden wird wahrscheinlich aber nur der Teil zwischen A43, Roggenbach und dem quer verlaufenden Graben. Mit 305 und 240 Metern sind die Abstände zu den ersten Häusern bezeichnet.

Appelhülsen. Ist ein Fotovoltaik-Park wirtschaftlich zu betreiben oder schlittert die Gemeinde nach Appelhülsen-Nord ins nächste finanzielle Abenteuer? Und wo liegt der genaue Standort einer solchen, in ihrer Größe zumindest im Regierungsbezirk Münster einmaligen Anlage? Diese und weitere Fragen werden am Montag (1. Oktober) im Mittelpunkt der Bürgerinfoveranstaltung und der Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses stehen.

Die Verwaltung hat in ihrer für diese Ausschusssitzung vorbereiteten Vorlage bereits einige Antworten gegeben, die auch die Bürger in der Infoveranstaltung bekommen werden. Der Standort befindet sich im Dreieck zwischen Autobahn und Münsterstraße auf der „Lankersfläche“. Die ist insgesamt rund 17 Hektar groß. Auf rund sieben Hektar sollen die Fotovoltaik-Module aufgestellt werden, verborgen hinter Bäumen und Büschen, mit einer Höhe von 2,50 Meter weder vom Wohngebiet noch von der Münsterstraße aus zu sehen.

Der Abstand zum Wohngebiet beträgt 300 Meter, ein einzelnes Haus jenseits der Landstraße ist je nach Lage der Anlage mindestens 240 Meter entfernt. „Wir wollen versuchen, die Anlage möglichst in den gegebenen Baum- und Buschbeständen aufzubauen“, erklärt Beigeordneter Klaus Fallberg auf Nachfrage. Dann müsste kein Baum oder Busch verpflanzt werden. Die Erschließung sei problemlos von der vorhandenen Zufahrt zum Lärmschutzwall oder vom Roggenbach aus möglich. Das Trafohäuschen an der ehemaligen Einfahrt zur Hofstelle Lankers sei als Einspeisepunkt für den erzeugten Strom zu nutzen.

Insgesamt, so die Verwaltung, sei die ausgewählte Fläche für die Nutzung optimal. Die Versiegelung der Fläche liege unter fünf Prozent, und die geringe Höhe beeinträchtige das Landschaftsbild nicht. Eine Blendwirkung gehe von den „entspiegelten“ Modulen nicht aus, Reflektionen Richtung Wohnbebauung oder Straße werde es nicht geben. Kosten wird die Anlage rund vier Millionen Euro. „Am Anfang war von 20 Millionen Euro die Rede, das wäre aber der Preis einer sehr viel größeren Anlage gewesen, die aus verschiedenen Gründen nicht realisierbar ist“, erklärt Klaus Fallberg.

Zwei Wirtschaftlichkeitsberechnungen liegen inzwischen vor. „Beide Berechnungen kommen zu dem Ergebnis, dass eine Anlage an diesem Standort wirtschaftlich sei“, so die Verwaltung. Die Wirtschaftlichkeit hat zuletzt auch die EnergieAgentur NRW bestätigt (wir berichteten). Trotzdem verspricht die Verwaltung, weitere Berechnungen einzuholen. Abhängig sind genauere Zahlen auch von der Betriebsform. Betreibt die Gemeinde selbst die Anlage, die Gewerbe- und Industrieförderungsgesellschaft (GIG), die Gemeindewerke? Oder wird eine neue Gesellschaft gegründet?

Am Montag soll zunächst eine Entscheidung unter dem Vorbehalt getroffen werden, dass die Wirtschaftlichkeit nachweisbar ist. „Erst wenn dieser Punkt wasserdicht ist, werden wir dem Rat den Bau des Parks vorschlagen“, erklärt Fallberg. Trotzdem drängt die Zeit: Denn die Einspeisevergütung, also das Geld, das die Gemeinde 20 Jahre lang garantiert für ihren Strom bekommt, sinkt jedes Jahr. Wenn aber die Anlage im Herbst 2008 gebaut werden soll, müssen jetzt die notwendigen Verfahren durchgezogen werden. So muss der Flächennutzungsplan geändert werden: von „Öffentliche Grünfläche mit Zweckbestimmung Sport“ zu „Sondergebiet Fotovoltaik-Park“. Dafür ist ein Zielabweichungsverfahren notwendig, das die Bezirksregierung durchführt und für das diese jetzt eine positive Grundsatzentscheidung aus Nottuln braucht, damit am 10. Dezember der Regionalrat darüber entscheiden kann. Zudem muss ein Bebauungsplan „Sondergebiet Fotovoltaik Appelhülsen“ erstellt werden. Diese geplante Nutzungsänderung bedeute nicht automatisch das Aus für eine Sporthalle in Appelhülsen. Die Verwaltung prüfe derzeit eine ortsnahe Alternative, sagte Fallberg auf Nachfrage.

Die Leistung des Fotovoltaik-Parks beträgt 1200 Kilowattpeak und ist damit größer als die aller bisher installierten 105 privaten und gemeindlichen Anlagen in ganz Nottuln, die bei rund 900 Kwp liegt. Der erwartete Jahresenergieertrag von rund 1 Millionen Kilowattstunden würde rund 270 Haushalte versorgen und rund 1000 Tonnen C02 im Jahr einsparen.

VON FRANK VOGEL

 
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