|
11. Januar 2003
Der Gemeinde Nottuln geht es heute finanziell miserabel.
Natürlich sind die Rahmenbedingungen nicht besonders gut und tragen noch mit zu
der Misere bei.
Jedoch bleibt die Frage:
Wie konnte innerhalb weniger Jahre aus einer reichen Gemeinde
mit niedrigen Gebühren und einer relativ guten Infrastruktur eine hoch
verschuldete Gemeinde werden, die ihre Bürger und Bürgerinnen mit immer
höheren Gebühren und Abgaben belastet und an deren Infrastruktur aus
Geldmangel nichts mehr gemacht werden kann - trotz guter räumlicher Lage und
Wirtschaftskraft?
In der Gemeinde Nottuln wurden unter Führung des Gemeindedirektors Möhlen ehrgeizige Projekte, mit Erfolg, durch zügige Entwicklung und
Weitervermarktung von Baugrundstücken finanziert.
Unter der Amtszeit des Gemeindedirektors Bomholt wurde versucht, den laufenden Haushalt durch
die Vermarktung von Baugrundstücken zu finanzieren. Dies funktionierte anfangs
auch. Nur leider ging man einfach davon aus, dass das immer weiter so funktionieren würde.
Kosten-Nutzen-Rechnungen wurden nur oberflächlich durchgeführt und so waren
die Gewinne bald kleiner als erwartet bzw. blieben ganz aus. Außerdem gestalteten sich Grundstücksverhandlungen in Nottuln immer
schwieriger.
So entschloss man sich, Baugebiete in Appelhülsen zu entwickeln.
Leider blieb hierbei die spezielle Lage Appelhülsens unberücksichtigt:
Appelhülsen hat zwar eine gute verkehrliche Anbindung an Straße und Schiene,
besitzt jedoch keine weiterführenden Schulen und nur wenig Einkaufsmöglichkeiten.
Auch liegen die neuen Baugebiete in Appelhülsen nicht nur in der romantischen Steveraue, sondern gleichzeitig auch hinterm Lärmschutzwall mit nur wenig Bezug zur Landschaft
und außerdem im Überschwemmungsbereich der Stever.
Auch wurde nicht bedacht, dass die Nachfrage an Baugrundstücken aufgrund des
großen Angebotes (auch in Nachbargemeinden) und der allgemeinen Konjunkturflaute
sank. So wurde nach Appelhülsen-Nord I, was sich noch relativ gut verkaufte,
ein riesiges Baugebiet Appelhülsen-Nord II erschlossen:

Warnungen auch von
unserer Seite wurden überhört, denn das Baugebiet musste ja groß werden, weil erwartete Gewinnspannen immer geringer
wurden und das Geld schon für den
Unterhalt der laufenden Gemeindegeschäfte dringend benötigt wurde. Und jetzt müssen die Grundstücke
eigentlich schon gestern verkauft werden, weil das komplette Geschäft
durch Kredite finanziert ist. Das Geschäft ist mit derart hohen Krediten verbunden, dass es nötig
war (im Gemeindehaushalt sind spekulative Geschäfte aus guten Grunde nicht
darstellbar), die GIG (Gewerbe- und Immobilienfördergesellschaft, 100%iges Tochterunternehmen der Gemeinde) in
Anspruch zu nehmen. Je später die Flächen verkauft werden, desto mehr Zinsen sind zu zahlen. Irgendwann
werden dann die Kosten höher als der zu erwartende Gewinn.
Dort sind wir jetzt.
Die Gemeinde wird ab 2003 der GIG mit jährlich mit viel Geld unter die Arme greifen
müssen. Dieses Geld fehlt zusätzlich im Haushalt. Von Gewinnen keine Rede.
In dieser Situation ist die Gemeinde ziemlich hilflos. Ihre 100%ige Tochter ist
im Grunde pleite und die Gemeinde muss die Verluste abdecken, da die Gesellschaft
nicht in Konkurs gehen kann.
Um nicht nur tatenlos zusehen zu müssen, wie die Gemeinde immer mehr in den
Abgrund stürzt, wird mit allen Mitteln versucht, die Grundstücke, die keiner
haben will, zu verkaufen. Jeder ortsansässige Makler erhält von der GIG 3% des
Grundstückspreises Provision, wenn er es schafft, ein Grundstück zu verkaufen.
Außerdem will die GIG jetzt noch einen "Verkaufsprofi" einstellen
einzig und allein für die Aufgabe, Grundstücke zu verkaufen. Auch dies kostet
Geld. Zwar kostet dies nur wenig im Vergleich zu dem Schaden, der der GIG durch
die Fehlspekulation in Appelhülsen noch entstehen wird, und schafft es der
"Profi", auch nur ein paar Grundstücke im Jahr zu verkaufen, so hat
er sich bezahlt gemacht; jedoch, so fragt man sich, wo soll er die Käufer
herbeizaubern, wenn einfach keiner da ist ?!? Was die Gemeinde und alle Makler
im Dorf nebst Sparkasse und Volksbank nicht schaffen, das wird auch er nicht
erreichen. Und dann muss auch sein Gehalt unter "Verluste" abgebucht
werden.
Zur Zeit werden in Nottuln die weichen Standortfaktoren verschlechtert. Die Gebühren werden
erhöht, Zuschüsse werden gekürzt, Leistungen
werden eingeschränkt. Z.B. bei der Musikschule wird der Zuschuss um einen ähnlichen Betrag gekürzt,
wie das Gehalt des Verkaufsprofis betragen wird. Für die Musikschule wird dies
über kurz oder lang das Aus bedeuten..
Wie soll selbst eine Spitzenkraft mehr verkaufen, wenn gleichzeitig das Produkt verschlechtert
wird?
Nottuln und auch Appelhülsen wird nur dann neue Einwohner gewinnen können, wenn die Gemeinde die Lebensqualität
in Nottuln und seinen
Ortsteilen nach Kräften fördert. Denn die Menschen investieren und wohnen gerne in einem Ort, in dem das Drumherum stimmt. |