WN, 30. September 2006
Richtlinien-Flatulenz
Kabarettabend mit Thomas Philipzen
Nottuln. Sigrid Bürger freute sich im Forum des Gymnasiums, ihre Parteifreunde von Bündnis 90/Die Grünen, "aber auch die zahlenden Gäste in den hinteren Reihen" zum traditionellen Kabarett-Abend begrüßen zu können. Und schon hüpft Thomas Philipzen, ein fröhlicher Springteufel, auf die Bühne. Zwei Stunden Lachen in Folge!
In der Person nicht jedem gleich bekannt, spielt Philipzen in Shirt und Golfhose den Harlekin, der eine Spur von Verwüstung zieht. Giftig, aber nicht tödlich. "Warum müssen auch die Nadeln bei der Hinrichtung steril sein?" "Warum heißt der deutsche Personalausweis nur noch Jammerlappen?".
Er lässt nichts aus. Weder Uschi Glas noch die Kanzlerin: "Wenn bei Merkel nur heiße Luft kommt, heißt das Richtlinien-Flatulenz."
Und zur Fußball-WM: "Erinnern Sie sich noch an das Maskottchen, diesen Goleo? 1000 Polizisten im Stadion, um es vor Flitzern zu sichern, und da stand dieses Monster ohne Hose an der Linie. Oder denken Sie an Gerhard Delling und Günther Netzer? Ich habe mich oft gefragt, wer von den beiden ist denn nun die Handpuppe".
Besonders Amerika hat es dem Mann, dem Paderbom zu katholisch war und der deshalb nach Passau gezogen ist, angetan. "Die haben doch einen Knall. In Vermont steht zum Beispiel auf einen missglückten Selbstmord die Tödesstrafe. Ja, in Amerika lässt man dich nicht hängen."
An die Älteren gewandt: "Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als es nur drei Fernsehprogramme gab. Als die Gummistiefel noch aus Holz waren. Als man froh war, wenn man in der Schule für seinen Kartoffeldruck eine Drei bekommen hatte. War das nicht schön? Besonders das Baden samstags. Alle hintereinander im gleichen Badewasser. Oma, Opa, Yater, Mutter. Dann die Kinder. Ich war der fünfte von sechs Jungs. Wenn ich dran kam, hatte das Wasser schon eine Konsistenz ... Ich konnte wie Jesus drüberlaufen."
Und heute? "Heute melden sich Zivildienstleistende bei der Bundeswehr, weil sie den Dienst im Krankenhaus nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können."
"Aber jetzt muss ich heim. Apropos heim. Bei uns in der Straße lebt ein Pitbull. Wenn der mir auf den Schuh pinkelt, dann akzeptier ich das."
Akzeptiert, Thomas Philipzen. Beste Unterhaltung. Danke auch vom Zwerchfeli.
Dieter Klein |