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Veranstaltungs-Rückblick Veranstaltungs-Rückblick 10. Juni 2005, Kabarett-Veranstaltung
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Es war ein wunderbarer Abend mit

 

am 10. Juni 2005 um 20:00 Uhr
im
Forum des Gymnasiums Nottuln

und ihrem neuen Programm


Karten waren zum Preis von 8 € (ermäßigt für Schüler, Studenten etc. 6 €)  erhältlich.

WN, 13. Juni 2006

Ich wollt, ich wär kein Huhn
Kabarett-Veranstaltung mit Homophon: Verwegene Texte und ein Hauch von Tragik

In persiflierter Eleganz wie in verderbter Biederheit zeigten sich die Mitglieder der Gruppe Homophon.   Foto: Dieter Klein Nottuln. Zur traditionellen Kabarett-Veranstaltung hatte Bündnis90/Die Grünen in diesem Jahr Homophon, den ersten schwulen Männerchor Münsters, geladen. Mit dem neuen Programm "The fabulous Chickendales" unterhielt der elfköpfige A-Cappella-Chor das Publikum am Freitagabend im Forum des Gymnasiums aufgebrezelt mit grotesk komischen Kostümen, schillerndem Geschmeide, schrillen Schminktricks, neu arrangierten Liedern, verwegenen Texten und kabarettistischer Moderation.
Im ersten Teil wurde dem Publikum ein Wunschkonzert präsentiert: Da wünscht sich eine "langzeitbetrogene" Gattin "Zusammen leben" von Milva, eine Ehefrau, der ständig heimlich Cocktailkleid und Pumps entführt werden, ahnt Schlimmes und möchte "Lean on me" von Bill Withers hören und eine weitere steht auf "dirty talk" und bittet ihren Mann, ihr etwas ganz Schmutziges zu sagen. Dem fällt nur "Küche" ein...
Für jedes Lied, sehr gesanglich und mit chromatischen Harmonien fein intoniert, stellt sich der Chor neu auf. Eine Stimmgabel wird aus einem goldenen Handtäschchen gekramt, angeschlagen, weggepackt, das Täschchen nach Gebrauch sorgsam wieder verschlossen. Alles mit penetranter Unaufdringlichkeit. Auch der Gesang bleibt zurückgenommen, nie bissig, eher anlehnungsbedürftig und weich im Klang.
Verlangsamt und seltsam temperamentlos, gerade dadurch urkomisch, wirkt das im russischen Stil gegebene "Schwarze Balalaika" mit dem verschleppten "Sascha, komm zurück". Und gleichzeitig schwingt etwas Unerwartetes mit: ein Hauch von Tragik und die Melancholie unerfüllter Sehnsüchte.
Nach der Pause betritt ein aufgescheuchtes, weißgefiedertes Hühnervölkchen die Bühne, wackelt mit den feuerroten Kämmen und scharrt mit teils sehr hochhackigen und ebenfalls sehr roten Kratzefüßen. Der Ton, der die Musik macht, wird für jeden Einsatz vom seitwärts geparkten Flügel abgenommen. Dazu muss das Oberhuhn oder war es ein Hahn? unendlich oft treppab von der Bühne stöckeln und den ganzen langen Weg wieder zurück.
Einfach köstlich, wie solche Kleinigkeiten die Choreografie und die aus Legebatterien bewährte Käfighaltungsaufstellung ins rechte Licht setzen. Die armen Freilufthühner, die im Winter draußen bleiben müssen.
Das Liedgut wurde zotiger, drastischer, derb und behandelte wichtige Fragen aus dem Leben des Federviehs. Es wurde deutlich, dass die Familie der geflügelten Wesen einiges mit der Menschengattung gemein hat, vor allem den aufrechten Gang. Und auch den Wunsch, fliegen zu können "I believe I can fly", oder etwas ganz anderes zu sein "Ich wollt ich wär kein Huhn" kennen nicht nur Hühner. Man pellt sich aus dem Ei, um sich gleich wieder in Schale zu werfen. Man liebt den "Maskenball im Gänsestall" und fürchtet alle Speisekarten, die Hühnersuppe mit Eierstich - ein "Mutter-Kind-Massaker" - anbieten. Und auch die aus Abfällen hergestellten Chicken McNuggets - "das Auge isst man mit" - wird sicher niemand aus dem begeisterten Publikum mehr anrühren.

Sabine Damhorst

 
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