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Westfälische Nachrichten, 02.02. 2005 |
"Wir
lassen den Schlaun in Nottuln"
-luw- Nottuln. Es gibt auch ein Leben jenseits der oft nüchternen Kommunalpolitik. Das beweist zurzeit die 2. stellvertretende Bürgermeisterin und Grünen-Fraktionssprecherin Sigrid Bürger. Als ehemalige Karnevalsprinzessin und engagiertes Mitglied in der Nottulner Karnevalsgesellschaft fühlt sich die
quirlige
Nottulnerin auf dem närrischen Parkett ebenso zu Hause wie sonst im Sitzungssaal der politischen Gremien.
Jetzt animiert die noch 46-Jährige auch die Spitzen im Rathaus und die
Kollegen aus der Politik zu närrischem Frohsinn. Denn am morgigen Donnerstag
(3. Februar) klopfen Nottulns Karnevalisten - im Gefolge von Prinz Klaus
II. und Prinzessin Irmi I. - an die Rathaustür und begehren den Schlüssel der
Macht in der Gemeinde.
Damit Verwaltung und Rat für den Kampf ums Rathaus zumindest in gesanglicher Hinsicht gewappnet sind, hat Sigrid Bürger per E-Mail allen Beteiligten Liedertexte zukommen lassen.
Denn: "Sollte diese närrische Übernahme - gegen alle Voraussagen - dennoch gelingen, so
wird es wichtig sein, die Moral aller Anwesenden auch unter veränderten
Herrschaftsbedingungen zu stärken", schreibt Bürger. Das sei im letzten Jahr schon gut gelungen. "Um das gemeinsame Singen noch zu einem nachhaltigeren Erlebnis werden zu
lassen, habe ich mir erlaubt, ein paar Texte zusammenzuschreiben, die ja noch bis Donnerstag auswendig gelernt oder bei Bedarf ausgedruckt werden können."
Klar an erster Stelle ihrer Liedertextauswahl steht die neue Dorfhymne der Kamevalisten: "Wir lassen den Schlaun in Nottuln" (nach der
Melodie "Wir lassen den Dom in Kölle"). Es folgen weitere bekannte Kamevalsgassenhauer wie "Westfalenland", "Kornblumenblau", "Trink, trink, Brüderlein, trink" oder sogar "Du darfst mich lieben für drei tolle Tage".
Mal abwarten, ob der nicht immer dissonanzenfreie Politikchor zum harmonischen Klangkörper zusammenwächst ... |
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WN, 4. Februar |
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Ergeben Sie sich, sonst wählt Sie keiner wieder
-helau- Nottuln. Wolfgang Danziger war
mutig. Er übte als erster mit Sigrid Bürger die Nottulner Hymne: "Wir
lassen den Schlaun in Nottuln, denn da ist er zuhaus'". Und eines
muss man dem Ratsherrn lassen: Laut singen kann er. Die anderen
Politikerinnen und Politiker, die gemeinsam mit Bürgermeister Peter
Amadeus Schneider und dem Heimatvereins-Vorsitzenden Hanns Eynck auf den
Ansturm der Narren warteten, waren eher schüchtern, mochten nur nach und
nach ihre Farben auch gesanglich vertreten. Immerhin waren alle
Ratsfraktionen vertreten. Nur wenige Politiker waren verkleidet Renate Brülle-Buchenau
als rot-weiß gestreifter Clown dafür umso besser.
Und dann Donnerschlag und Funkenblitz. Die KG mit ihrem Prinzenpaar Irmi
I. und Klaus II. sowie dem Kinderprinzenpaar Vanessa und Michael nahte.
Musikalisch unterstützt vom KG-Spielmannszug unter Leitung von David
Schulze und Waltraud Temmler, begleitet von Hummelbienchen und
Steversternen. Und dem Elferrat. Der stemmte die Barrikaden zur Seite.
Ergeben Sie sich, Herr Bürgermeister. Sonst wählt Sie keiner wieder.
Aber die schwere Tür hielt dem Rammbock stand. Die ist von 1749, die geht
nicht so schnell kaputt, meinte Heinz Rütering. Die weiße Fahne, die weiße
Fahne, brüllten gleichwohl die Ängstlicheren. Und der Bürgermeister
folgte dem Ruf und schwenkte das Leinen aus dem Fenster.
So konnte KG-Präsident Wolfgang Müller schließlich verkünden: Die
Narren haben die Macht in Nottuln übernommen. Der Bürgermeister,
angesichts der Regierungserklärung des Prinzenpaares noch ganz
fassungslos, versprach: Wir werden uns damit beschäftigen und alles
umsetzen. Rückte den Schlüssel raus und ergab sich in sein Schicksal,
das die KG-Tänzerinnen ihm mit ihrem Auftritt versüßten. |
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