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Veranstaltungs-Rückblick Veranstaltungs-Rückblick 16. September 2004 - Kabarettveranstaltung
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Krötenwanderung

Kabarett der Mäxtraklasse
mit
Harald Funke & Jochen Rüther

Komisch

Frech

Politisch

Sie waren die Texter des legendären Kabarettensembles "Die Kleinen Mäxe".

Funke erschüttert das Zwerchfell.
Rüther berechnet die Frequenzen.
 Und das mit spitzer Feder.

Die beiden reanimieren rasant und energiegeladen das totgesagte politische Kabarett. Denn sie sind bockig wie der Woytila, segnen alles Mögliche, bloß nicht das Zeitliche. Ganz wie der deutsche Durchschnittsrentner.
Und das Zeitliche ist in Unordnung, es braucht den Segen echter Glaubenssätze wie nie zuvor.
Der Michel muss lernen, seine wahre Identität zu finden: den billigen Jakob. Und die Jakobiner des Billiglohns, der Sozialkürzung und anderer Heilslehren haben das Land vollmedial im Griff.
Die deutsche  Kopfpauschalreise  ins gelobte Reformland der billigen Jakobsinseln ist der Heilsweg des armen Pillenschluckers. Denn wir haben den Kopf, damit die Pauschalen darin greisen können.
Und der Greis ist heiß, seit es ihm an die Kröten geht. Erst verweigert er das sozialverträgliche Frühableben, dann fletscht er die vom Mund abgesparte Prothese gegen die Agenda "Zwanzig-Zähn-sind-genug".
Doch selbst der rot-grüne Bedenkzeitgenosse weiß: Die Kröte hat ein Recht zu wandern. Früher horizontal über die Straße, heute vertikal.
Deshalb trägt der moderne Realogrüne die Kröten von unten nach oben. Das macht schlank, vor allem den Staat und die, die auf ihn angewiesen sind.

Und doch: Rot-Grün ist in Gefahr!

Der schlanke Staat hat Magersucht. Der Deutsche kauft zu wenig. Jäger und Sammler waren okay. Doch Schnäppchenjäger und Rabattmarkensammler sind der Untergang des Feierabendlandes. Wie eine von Friedrich-Merz-Dragees betäubte Ameise sammelt der greisende Michel seine Restkröten und verweigert als Staatsfeind Nummer eins den Konsum, um sein lausiges Alter ein wenig zu versüßen.

Rüther und FunkeAber keine Angst: Rettung naht!

Funke und Rüther sind berufene Biotopforscher im Fossilienbereich  des alten Europa: Harald Funke studierte den Zusammenhang zwischen Kunst, Kommerz und Volksgesundheit von der Pike auf: in Gelsenkirchen Schalke.
Jochen Rüther wusste schon als eifriger Leser von "Global 2000": man konnte nicht alles haben, aber umgekehrt.

Die beiden Kabarettisten haben ein äradynamisches Spezial-Gebräu gemixt - hochprozentig, spritzig, ätzend, manchmal sauer - das macht lustig - und immer stark zwischen Aufgang und Abgang.

WN, 18. September 2004

Scharfzüngig und anarchistisch
Kabarettabend mit den früheren "Mäxen" Jochen Rüther und Harald Funke

Jochen Rüther und Harald Funke bei ihrem Auftritt am Donnerstagabend im Forum des Gymnasiums.              Foto: Dieter KleinNottuln. Wer sie nicht kennt, verschätzt sich. Sie stehen auf der Bühne und lächeln. Doch dann ziehen sie ab. Scharfzüngig anarchisch in der Pantomime, abstrakt, absolut giftig: Harald Funke und Jochen Rüther.

Mit den beiden Münsteranern hatten sich die Nottulner Bündnis-Grünen die teuflischsten aus der zurzeit dünnen Gattung "Politisches Kabarett" ins Forum geholt. Zu einer "Kulturveranstaltung", wie Grünen-Sprecherin Sigrid Bürger betonte.

"Krötenwanderung" nennen Harald Funke und Jochen Rüther ihr Programm. "Die Kröte hat ein Recht zu wandern. Früher horizontal über die Straße, heute vertikal. Deshalb trägt der moderne Realogrüne die Kröte von unten nach oben. Das macht schlank. Vor allem den Staat."
Sie ließen keinen aus: Kohl, Schröder, Merkel, Merz, Schily, selbst die eigenen Gastgeber nicht: "Wir haben in Nottuln mal gespielt, da traten die Grünen noch als Vorgruppe auf...".
Aber mit ihren Anbiederungen zeigten sie noch "Schwächen". Wie zweitklassige Clowns oder Karnevalisten, die um die Gunst des Publikums buhlen, bauten sie "Nottuln" doch allzu oft in ihre Tiraden ein. Die beiden Texter des legendären Ensembles "Die kleinen Mäxe" wussten zwar mit dem nächsten Schmäh wieder hochklassiges Fahrwasser zu erreichen, doch ein Beigeschmack blieb. 

Ein paar Beispiele aus dem Redefluss der beiden "Gag-Giganten" und "Scherz-Titanen", als die sie sich selbst
persiflieren: "Deutschland hat die schönsten Kinderspielplätze der Welt." "Wieso haben wir eigentlich Kinderspielplätze? Wir brauchen Inderspielplätze".

Die miserable Bildungssituation belegten sie am Beispiel einer Vertreterstunde in Religion in einer Deutschen Berufsschule: Fragt der Lehrer: "Was wollt Ihr sehen? 'Die Blutschlacht am Kilimandscharo' oder 'Hängt den
Schlitzer. . "

Über sich selbst: "Hätte ihre Mutter die Pränatale Diagnostik gekannt, die hätte ihren Muttermund gehalten. "Dann ein Kindergeburtstag, bei dem als Höhepunkt die süßen Kleinen "Merkel und Merz teeren, federn und am Pfahl aufhängen". Zur Bevölkerungspolitik: "Deutschland schrumpft sich gesund. Mit den Hirnen fangen wir an." Oder: "Der Greis ist heiß, seit es ihm an die Kröten geht,"

Geschliffen, frech und beißend führte das Duo durch den kurzweiligen Abend. Funke und Rüther: Zwei Meister dramaturgisch geordneter, spitzer Worte. Schade, dass man viele davon nicht drucken kann. 

Dieter Klein

 
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