"Plus von 50 Prozent ist angemessen"
Drachenfest: Ministerin Bärbel Höhn zur Windkraft
-kih- Nottuln. "Das Münsterland soll überlegen, was
es seinen Landwirten antut, wenn es das Aufstellen weiterer Windräder
verhindert." Diese klaren Worte fand am Samstagnachmittag Landwirtschaftsministerin
Bärbel Höhn bei ihrem Besuch in Nottuln. Die Ministerin war prominenter
Gast beim Wind- und Drachenfest des Kreisverbandes der Grünen am Longinusturm
und sorgte mit ihrer Ansprache für große Zustimmung bei den
zahlreichen interessierten Zuhörern.
"In Nordrhein-Westfalen gibt es über 1 500 Windkraftanlagen, die
über 1000 Megawatt Strom produzieren. Hinter den Küstenländern
liegen wir damit auf Platz drei in der ganzen Bundesrepublik", erläuterte
Bärbel Höhn die Bedeutung der Windenergie in NRW. Speziell dem
Münsterland räumt die Ministerin dabei eine wichtige Stellung
ein. "300 bis 400 Windräder gibt es im Münsterland - ich halte
ein Plus von 50 Prozent für angemassen und machbar."
Es sei allerdings so, dass solche Pläne auf großen Widerstand
stoßen. Bürgerinitiativen und Auflagen, die nicht einmal von
Industrieanlagen erfüllt werden müssten, verhinderten, dieses
wichtige Wirtschaftsfeld zu erschließen, kritisierte Bärbel
Höhn. "In der Politik wird doch mittlerweile schon ideologisch mit
diesem Thema umgegangen - Ängste werden geschürt und Windkraftanlagen
als Ungetüme dargestellt."
Dabei, so Bärbel Höhn, arbeiteten bereits über 35 000
Menschen im Bereich der Windkraft, und diese Zahl der Arbeitsplätze
könnte bis zum Jahr 2010 verdreifacht werden. "Darüber hinaus
ist es durch die Windkraftanlagen zu einer deutlichen Reduzierung des CO2-Ausstoßes
gekommen - dies kann als Beitrag Deutschlands zum globalen Klimaschutz
gewertet werden", stellte die Ministerin heraus.
Auch Willi Kortmann, Direktkandidat der Grünen im Kreis Coesfeld,
konnte sich den Worten seiner prominenten Vorrednerin nur anschließen.
Er kritisierte die "Verhinderungspolitik" der FDP im Kreis Coesfeld und
ging als aktuelles Beispiel auf die Situation in Lüdinhausen ein,
wo der Bau eines Windparks nachhaltig bekämpft werde.
Neben den politischen Reden stand auch das Programm des Wind- und Drachenfestes
ganz unter dem Motto "Windkraft": Die Drachenvereine "Höhenwahn.de"
und "Schüttorfer Stand off's" wurden vom Kreisverband eingeladen,
um großen und kleinen Interessierten Drachenfliegen zum Anfassen
zu präsentieren. Viele Kinder nutzten die Gelegenheit, ihr Talent
auszuprobieren.
Dieter Goller vom Verein "Höhenwahn" konnte schließlich
den 1. Preis für den besten aus Recyclingpapier hergestellten Drachen
aus den Händen von Bärbel Höhn entgegennehmen, und Martin
Webb aus Schüttorf wurde für den besten Drachen aus Naturprodukten
ausgezeichnet.
Windkraftinteressierte hatten außerdem die Möglichkeit,
sich von Prof. Wolfgang Köhnlein (Havixbeck) über die Technik
der Windkraftanlagen informieren zu lassen. Für die musikalische Unterhaltung
sorgte das Jazzquartett Markus Mattern. Und auch bei den Kids kam mit Drachenmärchenvorführung
und Hüpfburg keine Langeweile auf. |